Szentmihályi Imre: Hetés és Lendvavidék néprajzi sajátosságai - Zalai Gyűjtemény 7. (Zalaegerszeg, 1977)

Ethnographische Eigenarten von Hetés und der Lendvagegend

Nun werden die Ursachen untersucht, die zur Entstehung der ethnischen Ein­heit in der Lendvagegend führten. Es gibt verschiedene differenzierende und integ­rierende Kräfte. Die differenzierenden Faktoren sind: im Westen und Süden ein an­deres Volkstum, im Norden Und Osten abweichende geographische Gegebenheiten (Hindernisse), im Osten zusätzlich auch noch gesellschaftliche Unterschiede. Diese differenzierenden Faktoren komzidieren in mehreren Abschnitten, innerhalb des Gebietes selbst sind sie jedoch ohne Bedeutung. Die Rolle der im Nordwesten be­findlichen größeren Siedlung Dobronak ist teils differenzierend, teils integrierend. Differenzierend, indem sie das — außerhalb Hetés gelegene! — unmittelbare Zent­rum von Hetés war; ein Großteil von Hetés gehörte kirchlich zu Dobronak (gemein­same Pfarren), und das Töpfergewerbe der Siedlung verbreitete sich — vorüberge­hend — auch in den benachbarten Dörfern von Hetés. Die integrierende Rolle bestand aber darin, daß der Einfluß des Zentrums der Lendvagegend, des urbanisierten Alsó­lendva, zuerst von Dobronak übernommen und dann auf die archaischere Umgebung ausgestrahlt wurde. In der differenzierten Lendvagegend waren gleichzeitig auch starke integrie­rende Wirkungskräfte tätig. Außer der gemeinsamen Sprache, den gleichen gesell­schaftlichen und religiösen Triebfedern vor allem der jahrhundertelange starke Ein­fluß, die Ausstrahlung der im Zentrum gelegenen, urbanisierten Siedlung Alsólend­va (Lendava) auf die ganze Lendvagegend. Alsólendva ist Mittelpunkt der ausge­dehnten Domäne, besitzt eine Burg, ist seit Mitte des vorigen Jahrhunderts Kreis­hauptort, ein Zentrum von Handel und Gewerbe. Das Handwerk hatte hier schon 1389 Bedeutung. Dies änderte sich auch später nicht, und im 18—19. Jahrhundert übte das hiesige Handwerk mit seinen dekorativen Erzeugnissen (Bekleidung, hausgewebte Stoffe, Möbel) einen starken Einfluß auf die Volkskunst und Volkstracht der Lend­vagegend aus. Aus den umliegenden Dörfern wurden die häufigen Jahrmärkte regel­mäßig besucht und die Einkäufe in den dortigen Läden getätigt, man kaufte dort z. B. die zur Volkstracht benötigten bunten Fabriksstoffe ein. Der große Weinberg von Alsólendva war überwiegend im Besitz der Bewohner der Lendvagegend. Die Pfarrkirche wurde wöchentlich vom Volk der zwölf Dörfer aufgesucht. Alsólendva war demnach ein entscheidender Faktor in der Integrierung der Lendvagegend: teils bot es verschiedene Gelegenheiten zur Vereinheitlichung (Mundart, Tracht), teils strahlte es das Neue (Produkte des Kleingewerbes, Fabriksstoffe) aus. Das Alter der verschiedenen Elemente der Kultur dieser Gegend ist unterschied­lich. Die frühesten Elemente sind diejenigen, die sich in einem weiteren Umkreis als die Lendvagegend selbst verbreitet haben, von den speziellen Elementen sind es hingegen die Mundart und die Patscha-Tracht, das jüngste Element aber ist die bunte Frauentracht. Hetés ist nur ein Landschaftsname und kein zentrales Gebiet mit eigenartiger Kultur. Innerhalb des größeren Gebietes bestehen kleine Abweichungen sowohl in der Mundart wie auch in der Tracht; diese stören jedoch die kulturelle Einheit der Lend­vagegend nicht. Die lokalen Faktoren (Dobronak, Hetés nicht Hetés, die zwei Pfarren usw.) waren um vieles bescheidener, — daher vermochten sie innerhalb des gesamten Gebietes keine abweichende Kultur auszugestalten —, als die in der ganzen Lendvagegend einheitlich zur Geltung kommenden stärkeren — differenzierenden und integrierenden — Wirkungskräfte. Zufolge Ihrer dauernden Wechselwirkung entwickelte sich die ungarische ethnische (ethnographische und mundartliche) Grup­pe der Lendvagegend, die auch Hetés umfaßt.

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