O. G. Dely szerk.: Vertebrata Hungarica 21. (Budapest, 1982)
Dely, O. Gy. ; Stohl, G.: Pileusbeschilderung und phylogenetische Beziehungen innerhalb der Lacertiden 85-110. o.
Kopfbeschilderung in der Tat von den entstandenen Taxonen durchgelaufen worden war, beweist vor allem der Umstand, dass von diesen abgeleiteten Konstellationen — wie "BI" , "CI" und "CIB" ~ mit verhältnismässig grosser Häufigkeit, sogar als Artcharaktere bei mehreren Vertretern der Gattungen Ablepharu s, Mabuya, Lygosom a und Eumece s unter den Scincoidea vorkommen. Wodurch wird nun die Weiterentwicklung des Anordnungstypes der Kopfbeschilderung ins Gang gesetzt? Was sind die Ursachen, die diese Veränderungen auslösen? Da eine jede Modifizierung des Kopfbeschllderungstypes auf äusserst feinen Umwandlungen der ontogenetischen Entwicklung zurückgeführt werden muss, die letzten Endes vom Genotyp des Tieres gesteuert werden, ist es anzunehmen, dass auch die Weiterentwicklung des Beschildungstyps auf Veränderungen des Genotyps des Individuums, bzw. des Genpools der Population beruht. Und diese Annahme scheint durch zahlreiche Beobachtungen bekräftigt werden. Wie populationsgenetische Studien beweisen, führt die Isolierung eines kleinen Bestandes, dessen Individuen nur untereinander fortpflanzen können, infolge des sog. genetischen Driftes zur verhältnismässig raschen Herausgestaltung von neuen Merkmalskomplexen, d.h. von neuen Taxonen. Damit lässt es sich erklären, warum in den Handgebieten des Areals einer euryöken Wirbeltier-Art die dort lebenden Individuen stenök werdend auch eine erhöhte Variabilität zeigen (BÖHME 1978). Schon vor Jahrzehnten wies MÉHELY (1911) darauf hin, dass die Ursache der grossen Veränderlichkeit in solchen Fällen letzten Endes in der Abnahme der Energie des Organismus zu suchen ist. Auf diese Weise führt die durch die Umweltfaktoren hervorgerufene "Lockerung" des ErbgefUges zu einer Umwandlung der für die Art früher charakteristischen Merkmale. Unlängst hat sich auch DELY (1981) dieser Auffassung angeschlossen. Unserer Meinung nach scheinen auch jene Verschiebungen in der Häufigkeit bestimmter Abordnungstypen der Kopfbeschilderung z.B. bei Lacerta vivipar a, die in estremen Gebieten des Areals der Art eingetreten sind (VOIPIO 1961, 1968, 1969, WERMUTH 1955) eher mit der Isolation, bzw. Verminderung der Individuenzahl der Population in Zusammenhang zu stehen, und weniger durch geographische Klinen bestimmt zu sein. Der sog. Inseleffekt (vgl. BÖHME 1978) scheint weiterhin dafür zu sprechen, dass in sich genommen auch die Isolation nicht dazu ausreicht die Variabilität bestimmter Merkmalskomplexe zu erhöhen. Wie die eingehenden Studien u.a. von MERTENS (1971) und RADOVANOVld (1951, 1956, 1959) beweisen, wird fast jede Mittelmeer-Insel von für sie charakteristischen Unterarten bewohnt. Die Variabilität dieser Unterarten erweist sich aber - abgesehen vom Auftreten melanistischer Formen - ziemlich eng. Diese Erscheinung steht wohl möglich damit im Zusammenhang, dass die infolge geologischer Ereignisse isoliert gewordenen Bestände im Vergleich zu den in Randgebieten lebenden Populationen aus zahlreichen Individuen aufgebaut worden waren. Im Rahmen der Untersuchungen, die oben dargelegt wurden, wollten wir nur die Anordnung der vor dem Frontale liegenden Kopfschilder analysieren. Dies bedeutet selbstverständlich nicht, als wären wir uns nich im klaren Uber die Variabilität der hinter dem Frontale ihren Platz einnehmenden, vor allem über die Variabilität der die Seiten des Kopfes bedeckenden Schilder. Wie z.B. Fehlen des Occipitale (DELY 1979, 1980, 1981 b), das Vorhandensein eines akzessorischen Schildchens zwischen dem Interparietale und Occipitale (BARAN & GRUBER 1981, DELY 1981 b), Zahl und Anordnung der Schilder um die Nasenlöcher (Postnasale, bzw. Postnasalia), Grösse und Form des Frenale, Vorhandraisein oder Fehlen des Tympanale, bzw. Massetericums, ihre Beziehungen zu anderen Koprschildern usw. Wohl möglich, dass all diese Eigentümlichkeiten der Kopfbeschilderung ebenfalls grosse Bedeutung für die Aufklärung der phylogenetischen und verwandtschaftlichen Beziehungen innerhalb der Eidechsen haben würden. LITERATUR ANGEL, F. (1946): Reptiles et Amphibiens. - In: Faune de France, 45. - Paris: 204 pp. B ANNIKOV, A.G., DAREVSKlî, I.S. & RUSTAMOV, A.K. (1971): Zemnovodnye i presmykayushchiesya fauny SSSR. - Izdatel'stvo "Mysl"', Moskva: 303 pp. B ANNIK OV, A.G., DAREVSKIÏ, I.S., ISHCHENKO, V.G., RUSTAMOV, A.K. & SHCHERBAK, N.N. (1977): Opredelitel' zemnovodnykh i presmykayushchikhsya fauny SSSR, - Izdatel'stvo "Prosveshchenie", Moskva: 414 pp. BARAN, I. & GRUBER, U. (1981): Eine neue Unterart der Mauereidechse (Podarcis muralis) von der Schwarzmeerinsel Kefken, Türkei. - Spixiana, 4. (3): 271-274. BAÇOÔLU, M. & BARAN, I. (1977): The Reptiles of Turkey. Part I. The Turtles and Lizards (Taxonomy and Distribution , Key for Identification). - Ege Universitesi Fen Fakültesi Kitaplar Serisi No. 76. - Ilker Matbaasi, Bornova - Izmir: 255 pp. (türkisch mit englischer Zusammenfassung)