O. G. Dely szerk.: Vertebrata Hungarica 18. (Budapest, 1978)
Stohl, G.: Verzwergter Belgischer Riese – ein Kaninchen-Inzuchtstamm 67-77. o.
Übrige Eigentümlichkeiten des Inzuchtstammes. Ein schönes Beispiel für die Anreicherung von bestimmten recessiven Allelen in isolierten Beständen (denn unsere Jahre lang getriebene Inzucht entspricht ja im Sinne der Populationsgenetik der Fortpflanzung innerhalb einer streng isolierten natürlichen Population) ist die gelbe Fettfarbe bei unseren "verzwergten Belgischen Riesen". Keines der beiden Gründertiere besass gelbes Fett - wenigstens phänotypisch nicht. Auch die aus der ersten Vollgeschwister-Paarungen hervergegangenen Kaninchen hatten alle weisses Fett gehabt. In den späteren Generationen sind aber in zunehmender Zahl Exemplare mit gelbem Fett aufgetreten. Da die Sterblichkeit der Jungtiere ziemlich hoch war, konnte die zahlenmässige Zunahme der Tieren mit gelbem Fett - leider - nicht einwandfrei gefolgt werden. Fest steht allenfalls, dass um die Mitte der 50er Jahre schon alle Tiere des Inzuchtstammes gelbes Fett besassen. Da in der ersten Generation, die aus der Vollgeschwister-Paarung entstanden war, keines der Tiere gelbes Fett hatte, ist es anzunehmen, dass nur eines der beiden Ausgangstiere das recessive Allel für gelbes Fett (vgl. PEASE, 1931) in heterozygotem Zustande in sich getragen hatte. Die Fellfarbe des neuen Inzuchtstammes war- wie schon kurz erwähnt wurde - rein wildfarbig, also "light-bellied agouti", determiniert durch das dominante Allel A w (SEARLE , 1968). In der ersten Hälfte der 50er Jahre, als der Inzuchtkoeffizient des Bestandes im Durchschnitt unter 50% lag, waren immer wieder einige Tiere mit rötlichbraunem Fell aufgetreten, die dadurch entstanden sein mussten, dass bei ihnen die Menge des schwarzen Pigmentes etwas abgenommen, jene der gelben Phäomelanine zugenommen hatte. In den späteren Jahren aber, als der Inzuchtkoeffizient der Kaninchen im Durchschnitt schon über 60% lag, wurden immer wieder vereinzelte Tiere mit weissen Pfoten und Zehen geboren, was vielleicht als ein partieller Albinismus gedeutet werden kann. Die Anfälligkeit der Tiere dieses Stammes gegenüber Infektionskrankheiten war ziemlich gross. Viele der Tiere gingen an einer eitrigen Lungenentzündung ein. In Immunreaktionen, so z.B. gegenüber parenteral eingeführten gewaschenen roten Blutzellen von verschiedenen Enten produzierten sie Antikörper nur in einem niedrigen Titer. Zusammenfassung Von den Nachkommen zweier Vollgeschwister-Tiere, die von reinrassigen Belgischen Riesenkaninchen abstammten, konnte durch jahrelang getriebene Inzucht ein neuer Inzuchtstamm herausgezüchtet werden: "verzwergter Belgischer Riese" (nach Prof. Gy. FÁBIÁN "mediumsized Flemish Giant"). Der neue Inzuchtstamm ist typisch wildfarbig ("light-bellied agouti", A™) von mittlerer Körpergrösse (völlig ausgewachsen 2, 5 - 2, 6 kg). Rumpflänge mit 20 mm grösser als bei anderen mittelgrossen Hauskaninchen. Übrige Körpermasse wie Ohrenlänge, Brustumfang und Hinterfusslänge, sowie sämtliche Organgewichte entsprechen jenen der übrigen mittelgrossen Hauskaninchen, mit der Einschränkung, dass Hirn- und Nebennierengewichte (10, 5 g, bzw. 450-500 mg) an der oberen Grenze der für diese Organe bei mittelgrossen