Buza Péter - Gadányi György: Kopf Hoch! - Unser Budapest (Budapest, 1998)

V, Károly körút 14 Die erste Generation der Familie Szevera war noch im 18. Jahrhundert aus dem fernen Italien, wo sie ihr Brot als Salamikocher verdient hatten (die Salami wurde gekocht, nach den aus dem Mittelalter in die Neuzeit überlieferten Rezepten auf diese Art konserviert; die Italiener waren in ganz Europa die bekanntesten Meister dieses Verfahrens), nach Fest gekommen und hatten dort das Bürgerrecht er­worben. Schon bei ihrer Ankunft hatten sie sich die üm- gebung des frequentierten Orczy-Hauses, das an der Ecke der späteren Király utca stand, ausersehen; hier fanden sie ihr Zuhause, hier gründeten sie ihre ersten Geschäfte. János und Károly, Familienmitglieder aus der bereits dritten Generation, betrieben diese dann weiter, János hat­te eine Kaffeestube in dem an der Ecke Király utca stehen­den, riesigen Mietshaus, in dem übrigens vor allem Juden wohnten, und nebenher war er Kriegsliferant. Die Szeveras kauften schließlich irgendwann zu Beginn der 1880er Jahre ein Haus und zogen auf die gegenüber­liegende Seite der LandstraJ3e (Országút). Damit trat eine nicht zu unterschätzende Wende in ihrem Status ein: diese Seite der Straße gehörte nämlich schon zur Stadt, die vor gar nicht so langer Zeit noch eine Mauer von den von ge­mischtem Volk bewohnten Außenbezirken trennte (hier zum Beispiel begann der Randbezirk mit der Király utca). János und Károly - die beiden Szeveras - kauften zuerst das alte Haus auf dem Grundstück Nummer 20 des heuti­gen Karlsringes (Károly körút), und Károly gelangte von hier noch ein Stückchen weiter, als er 1899 von den Erben des Lebensmittelhändlers Loser das ebenfalls alte Gebäu­de erwarb. Er ließ es abreißen, um an dieser Stelle 1900- 1901 ein prächtiges, neues Wohnhaus zu bauen, und zwar unter Mitwirkung der allerbesten Meister (heute Nr. 14.). Die Fassade wird von vier Glasmosaikbildern ge­schmückt (Fachleute bringen die allegorischen Figuren von Frühling, Sommer, Herbst und Winter mit der Werk­statt des berühmten Glasmalers Miksa Róth in Verbindung - obwohl das nicht zu beweisen ist), das Dach krönen dem Museum für Kunstgewerbe vergleichbare, bewegt gestal­tete, besonders zauberhafte Türme. Wahrscheinlich ist die­se Fassade (sowie das ganze Gebäude) das einfallsreiche Werk eines vorläufig nicht zu identifizierenden Künstlers, der der Schule von Ödön Lechner, dem Meister des un­garischen Jugendstils, sehr nahe gestanden haben muß. 38

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