Prohászka László: Der Donaukorso - Unser Budapest (Budapest, 1998)
gehabt, wohin. Den am Petőfi tér Ankommenden empfing der traurige Anblick des vereinsamten Pester Pylonen der einst stolzen Elisabethbrücke mit den in die Donau gestürzten Kettenreihen. Die meisten Gebäude-Ruinen der Hotelzeile - darunter das einstige Hungária, Donaupalast und Carlton - waren 1948 abgetragen. (Trotz lauter Proteste der Denkmalschützer wurde auch das nördlichste Gebäude der Zeile, der Lloyd-Palast abgerissen.) Das von Miklós Ybl entworfene dekorative Geländer klaffte an mehreren Stellen auseinander. Seine verbliebenen Lampenständer standen jahrzehntelang als kopflose Torsos im Dunkeln. Die zertrümmerten Buchwald-Sessel kamen auf den Müll. Die Skulptur Donauwind von Pál Pát- zay wurde entfernt und gelangte - wie auch der Zierbrunnen von Senyei vom Vigadó tér - 1950 in das Dagály Strandbad. Gegenüber auf der Budaer Seite bot sich dem Betrachter der ausgebrannte königliche Palast sowie die Ruine des Sándor Palastes (einstiger Sitz des Ministerpräsidenten). 1949 legte sich der dunkle Schatten der Rákosi-Re- gierungszeit über das Land. Von einem Aufschwung des Fremdenverkehrs oder dem Einfliegen fremden Kapitals konnte keine Rede sein. Der Donaukorso hatte nicht nur den Großteil seiner berühmten Gebäude verloren - er hörte auch auf, als gesellschaftliche CImgangsform zu existieren. Er galt als eines der Elemente der bürgerlichen Lebensform, welches offiziell zu verdammen war und geriet alsbald in Vergessenheit. Im Erdgeschoß des Thonet- Hauses, wo einst die Pilsener Bierhalle, das Café Dubarry oder Ambassadeur sich befanden, entstanden nun Büros und Lagerräume. In den fünfziger Jahren wurde man durch die offizielle Propaganda statt zu Spaziergängen am Donauufer zur Bewährung an der Arbeitsfront angespornt. Zu diesem Gedankengang paßte auch die Tatsache, daß 1952 eine neue Statue auf dem Molotov tér aufgestellt wurde. Da das Gebäude der Ersten Ungarischen Allgemeinen Versicherungsgesellschaft einige Jahre vorher abgetragen worden war und nun nur das an der Stelle des einstigen Hotels Königin von England 1951 errichtete Planungsinstitut-Gebäude (heute Bürohaus der Handels- und Kreditbank AG) dastand, erhielt es die Hausnummer 1 am Platz. Vor dem nach Plänen von István Nyíri erbauten sechstöckigen Planungsinstitut wurde die Skulptur Junge Ingenieure von Dezső Győry aufgestellt. Die dreieinhalb Meter hohe Komposition aus Kalkstein stellte eine junge Ingenieurin und einen Ingenieur mit einem Theodolit in der 39