Prohászka László: Der Donaukorso - Unser Budapest (Budapest, 1998)

Bibliotheken herrschaftlicher Schlösser. Einige Jahre zuvor galt der elektrische Lift im Grandhotel Hungária noch als landesweite technische Sensation. Im Ritz gehörte der Lift selbstverständlich schon zur Dienstleistung des eleganten Hotels. Sobald mit dem Bau des Ritz begonnen worden war, be­gann das damals noch konkurrierende Grandhotel Hun­gária zu expandieren. Die Leitung kaufte das Gebäude Nr. 5 in der Mária Valéria (heute Apáczai Csere János) utca, um hier die Wäscherei, das Wäschelager und die Instand­haltungsabteilung unterzubringen. Das Hauptgebäude war nun von den Dienstleistungseinheiten, die immer mehr Platz einnahmen, befreit. Mit der Eröffnung des Ritz war jene Hotelzeile entstan­den, von der Pál Granasztöi mit Recht in seinem Buch Ge­sichter Budapests schreibt, daß „sie in ihrer Einheit­lichkeit eine der städtebaulichen Attraktionen von Buda­pest, ein wichtiges Zubehör seines Panoramas war." Stilistisch gehörten die Hotels am Donauufer zu jener architektonischen Richtung, welche die bedeutenden öf­fentlichen Gebäude in den größeren Städten der Österrei- chisch-Gngarischen Monarchie Ende des 19. Jahrhun­derts charakterisierte. Ein Großteil davon hätte ebensogut in Wien, in Temeschwar oder Prag, in Lemberg oder Za­greb stehen können. Die neuen Hotels am Donauufer, vor allem das Hungária und das Ritz, vertraten jedoch solche einmalige Werte, die sie aus der Reihe der ähnlichen ar­chitektonischen Werke der Doppelmonarchie hervor­hoben. Trotzdem waren sie nicht dadurch berühmt gewor­den. Als Mitglieder der Hotelzeile verschmolzen sie har­monisch im Panorama von Pest. Die Gebäudezeile bildete eine solche ästhetische architektonische Einheit, auf die das 1892 zur Haupt- und Residenzstadt erhobene Buda­pest, welches 1913 schon fast 1 Million Einwohner hatte, mit Recht stolz war. Das unbeschwert sprudelnde Leben des Korsos wurde 1914 mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges jäh beendet. Der Gästeverkehr in den Hotels ging sosehr zurück, daß das Ritz bald mit ernsten finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. 1916 kaufte die Hungária Grandhotel Akti­engesellschaft das Hotel Ritz und betrieb es von nun an unter dem Namen Donaupalast; im Volksmund blieb es jedoch immer das Ritz, nicht nur bis 1945, sondern auch nachher. Da 1916 und 1917 die Konzessionen der beiden Schif­fahrtsgesellschaften abliefen, betrieb von nun an die 1895 23

Next

/
Oldalképek
Tartalom