Gábor Eszter: Budapester Villen - Unser Budapest (Budapest, 1997)

Nachteil, daß sie nicht erweiterungsfähig und ästhetisch unantastbar waren. Im Laufe der Jahre, als die Bedingun­gen des Kommunalrats schon in Vergessenheit geraten waren, siegte die Notwendigkeit über die Ordnung, und an mehreren Gebäuden wurden Vergrößerungen vorgenom­men, Terrassen eingebaut, Garagen vor die Fassade ge­schoben. All dies schadete der Einheit dieser Siedlung viel mehr als wenn es bei einer Straße mit Einfamilienhäusern, die auf additive Weise gebaut worden waren, geschehen wäre. Die modernen Villen der dreißiger Jahre - europäisches Niveau Beim Bau der Häuser in der Napraforgó utca hatten meh­rere Architekten mitgewirkt, die später, beim Budaer Vil­lenbau der dreißiger Jahre eine bedeutende, vielleicht so­gar bestimmende Rolle spielten. Erwähnt seien da in erster Linie Lajos Kozma, Farkas Molnár und József Fischer. Lajos Kozma arbeitete, obwohl er Architektur studiert hat­te, in den ersten Jahrzehnten seiner Laufbahn als Kunst­gewerbler; später entwarf er auch Miethäuser, ein Kino und einen Ausstellungs-Pavillon, richtig bekannt wurde er je­doch durch seine Villen. Seine Aktivität als Kunstgewerbler drückte seiner Arbeit stets den Stempel auf (manche Kri­tiker machen ihm dies auch zum Vorwurf); die ins Detail gehende minutiöse Ausarbeitung der Kozma-Pläne, die An­ziehung, welche die Dekorativität auf ihn ausübte, können allesamt darauf zurückgeführt werden. Die Auftraggeber Kozmas waren gutsituierte Bürger, deshalb ergab sich auch die Möglichkeit, weiträumige, große Villen zu bauen. Die Villa des Bauunternehmers Ernő Havas (Ruszti út 8/B) ist zur Straße hin fast ganz verschlossen, die Fassade wird bloß von den schmalen vertikalen Treppenhausfenstern über dem Eingang und der horizontalen Fensterreihe der Ne­benräume im Erdgeschoß durchbrochen. Zum Garten hin öffnet sich jedoch das Haus gänzlich. Riesige geschlos­sene und offene Terrassen, ein von drei Seiten verglaster Win­tergarten, Reihen großer vierflügeliger Fenster, alles dien­te der Verknüpfung von innerem und äußerem Raum. Die Teile des L-förmigen Wohnraumes im Erdgeschoß wurden nicht durch Wände oder Holztüren voneinander getrennt, sondern durch zeitweilige Raumbegrenzungen (Vorhänge, aufschiebbare Glastüren). Durch abtrennen oder verbin­den einzelner Raumteile konnten abwechslungsreiche Raum­verbindungen hergestellt werden, wahrscheinlich ergab die gänzliche Öffnung das reichste Raumerlebnis. Der L-för­50

Next

/
Oldalképek
Tartalom