Gábor Eszter: Budapester Villen - Unser Budapest (Budapest, 1997)
ersten Stock angegliedert waren. In der Ecke des Wohnzimmers befand sich an den benachbarten Wänden ein riesiges Fenster bzw. eine Glastüre, deren Sturz auf gleicher Höhe wie die Sohlbänke im ersten Stock war, die Galerie wurde dadurch nicht zur Gänze beleuchtet. Die Architekten hatten in Betracht gezogen, daß ein kleines Grundstück einen geschlossen gestalteten Baukörper verlangte. Davon wich László Vágó jedoch ab. Seine Villa (Napraforgó utca 1.) bestand aus drei L-förmig ineinander übergehenden Blöcken, von denen nur der mittlere einstöckig war, an den beiden Flügeln befand sich über dem Speisezimmer und dem Wohnzimmer je eine zwanzig Quadratmeter große Terrasse. Die halbkreisförmige Terrasse, welche sich vor der Halle im Erdgeschoß (mittlerer Block) befand, schlossen die beiden Seitenflügel sozusagen zu einem intimen Inneren ein. Die eigenartige Ster- nenform-Wirkung der Villa von Gyula Wälder (Napraforgó utca 2.) wurde nicht von der funktionellen Form diktiert. Wälder hatte der einheitlichen, symmetrischen Wirkung zuliebe mancherorts davon abgesehen, was sich hinter der Front befand. (Im ersten Stock haben alle drei Schlafzimmer in der Ecke, an den benachbarten Wänden je ein doppelflügeliges Fenster - ebenso verfügt auch das Badezimmer, welches sich in der vierten Ecke befindet, über zwei Fenster.) Das Wohnzimmer im Erdgeschoß hat in der Mitte der Fassade einen Erker in der Form eines gleichschenkligen Dreiecks (darüber Balkon); diese Form wiederholt das Treppenhaus auf der gegenüberliegenden Seite, an der Seitenfront befindet sich ein Balkon gleichen Formats. Die Betonung der aus der Mittelachse der Fassaden herausragenden Dreiecke wird dadurch gesteigert, daß das Dachgesims ihre Linie weiterführt - so formt die Dachebene einen achtzackigen Stern. Gyula Wälder war als Architekt gut genug um zu fühlen, daß ein so kleines Gebäude seine gewohnten barocken Formulierungen nicht ertragen würde; stattdessen suchte er eine andere, dekorative Lösung ohne die Flächendekoration. Den krassesten Gegensatz zur Villa Wälders bildet die Ligeti-Molnár-Villa (Napraforgó utca 17., heute 15.). Ihr strenges Prisma wurde nur durch den Dachterrassen-Auf- bau gebrochen. Die flächenartigen Fronten wurden von Öffnungen ohne jeden Rahmen durchbrochen, von der Fläche der Fassade hob sich bloß der kleine Balkon (eher nur ein Austritt) des Schlafzimmers im ersten Stock ab. Das durch große horizontale Fenster gegliederte Gebäude ist thesenmäßig die erste und gleichzeitig eine der konsequentesten Erscheinungen der Bauhausarchitektur in 46