Pongrácz Erzsébet: Budapester Kinos - Unser Budapest (Budapest, 1998)
Hundert Jahre sind seit der ersten Filmvorstellung bis zum Multiplex vergangen. In diesen hundert Jahren hat sich alles verändert: das Rohmaterial und die Farbe des Films, der Ton und seine Utensilien, die Technik der Aufnahme. Ort und Art der Filmvorführung sind anders geworden, ebenso das Publikum: aus dem staunenden, ungläubigen Zuschauer ist ein Kenner geworden, der von Zeit zu Zeit auch selbst eine Kamera in die Hand nimmt. Auch das Innere des Kinos hat sich verändert: die riesige Leinwand, superbe Bild- und Tontechnik geben dem Zuschauer das Gefühl, selbst ein Darsteller im Film zu sein. Es hat sich wirklich alles, aber auch alles verändert. Wirklich verändert? Ob TY Video, Cinemascope oder Multiplex - das Kino bleibt trotzdem immer „das Kino“. Der kleine Winkel, wohin wir uns vor unseren schlechten Momenten zurückziehen können. Eine kurze Zeit, in der wir so sein können, wie wir nicht sind. Eine flüchtige Gelegenheit für ein anderes Leben, für Einsamkeit, für Liebe. Ein stockender Atem ohne Folgen, als Teil des Phan- tastikums oder Schreckens. Die Welt um uns herum ist anders geworden - das Kino ist trotzdem DAS KINO geblieben. 45