Gerle János: Paläste de Geldes - Unser Budapest (Budapest, 1994)

Detail der reichgeschnitztem Holzeinrichtüngen cjnd Verkleidüng Vaterländischen Bank AG die seit 1894 existierte, erbaut. (Heute residiert in die­sem Gebäude die Botschaft Großbritanniens.) Die Bankzentrale wurde zusammen mit dem eigenen Miets­haus auf der Seite zum Erzsébet tér hin nach Plänen von Károly Rainer gebaut. Der Schmuck des Gebäudes, die Kassenhalle im überdachten Hof, ist - von der fehlenden Inneneinrichtung abgesehen - praktisch ganz erhalten geblieben. Die Glasüberdachung weist bravouröse Lösungen auf und konnte, als die Biblio­thek der Botschaft sich hier befand, von vielen bewun­dert werden. Wir wollen nicht übertreiben und noch weniger pietätlos sein, wenn wir jedoch in den sogenann­ten großen Kassensaal des neuen Bankpalastes eintreten, überkommt uns ungewollt ein Gefühl der Andacht. Eine solche Andacht fühlt man, wenn man die Schönheit weltbekannter Kirchen zum ersten Mal erblickt oder durch einen herrlichen Museumssaal geht, wo wertvolle Bilder und Sta­tuen die Unsterblichkeit des Genies bewahren. Na­türlich hat in diesem prunkvollen und doch würde­vollen, endlos künstlerischen und doch ernsten Raum uns nicht der Reiz des Geldes für sich einge­nommen und uns nicht die ungewollte Verehrung des Goldenen Kalbes ergriffen: es ist ein Gefühl der verfeinert andächtigen Überraschung, daß, wenn wir glauben, einen einfachen Büroraum zu betre­ten, wir ein vornehm künstlerisches, herrliches Mi­lieu um uns herum erblicken. 60

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