Gerle János: Paläste de Geldes - Unser Budapest (Budapest, 1994)
An der Fassade des Gebäudes verläuft über dem Sockelgesims eine Relieffolge mit allegorischen und auch naturalistischen Szenen aus der Bankgeschichte und über die Funktion des Geldes. Die Reliefs des Bildhauers József Róna auf der Seite Hold utca veranschaulichen verschiedene Gewerbe, den Handel in exotischen Gegenden, den alten Geldwechsler auf dem Markt; die Arbeiten von Károly Senyei zum Szabadság tér hin schildern den Betrieb der zeitgenössischen Münzwerkstatt, und es erscheinen hier auch die symbolischen Figuren der Künste, des Kunstgewerbes und der Wissenschaft. Es lohnt sich, sie an Ort und Stelle gründlich zu betrachten. Auf die ungarische Landschaft wird in den Landwirtschaftsszenen hingewiesen, sie sind die Arbeit von Béla Markup: der Schafhirt wird romantischer und detaillierter geschildert als die übrigen Reliefs das tun - seine Gestalt ist von den idyllischen Genrebildern des vorigen Jahrhunderts bekannt. In der Gruppe der Künste verkörpert die Architektur ein mittelalterlicher Baumeister mit einer Zeichnung in der Hand, den der Bildhauer nach Ignác Alpár gemeißelt hatte. (In der gleichen Aufmachung zeigt die Statue von Ede Teles den Architekten Alpár; diese wurde nach seinem Tode vor seinem bekanntesten Werk, der Burg Vajdahunyad im Stadtwäldchen, aufgestellt. Alpár hatte wirklich die gesellschaftliche Rolle der klassischen „Baumeister“ als sein Ideal betrachtet und hatte auch versucht, deren Äußerlichkeiten um sich herum zu schaffen, über Jahrzehnte konnte er mit seinen preisgekrönten Arbeiten, seinen großangelegten und großzügigen Bauten und seinem häufigen öffentlichen Auftreten über alle Anerkennung und professionellen Interessen hinaus im Zentrum des Kulturlebens bleiben. Es umgab ihn eine bunte Tischgesellschaft, deren Feiern, Bälle und Reisen er organisierte und deren Mittelpunkt er bildete.) Eine Besonderheit ist die außergewöhnlich reiche, mannigfaltige, in ihrer Eleganz trotzdem warme Inneneinrichtung der Bank, die eine gewisse Kälte und Überheblichkeit des Gebäudeäußeren widerlegt. Die Stärke Alpárs bestand in der großzügigen Führung der Treppen, die sich im Inneren des Gebäudes als überwältigender Anblick boten. Auch in seinen späteren Bankgebäuden wandte er oft die Methode an, nur zwei Stockwerke mit Treppen zu verbinden, um danach die Treppe woanders mit anderer Linienführung fortzusetzen. So wird das Treppenhaus nicht aus dem Innenraum ausgeschlossen, es dient nicht nur dem Verkehr, sondern erregt auch durch seine Schönheit Bewunderung. 38