Korniss Péter: Innenhöffe - Unser Budapest (Budapest, 1993)

Und auf dem sechsundsiebzigsten Ast ruht er sich aus. Aber eine gute Zeit schaut er nur die Höhle an. Dann schließt er beide Augen, und wie ein unsichtbares Geisterbild tritt er tollkühn ins Bild. Und wie Draht knallt die Ranke des Wildsauerampfers, wie sie am Helmgitter hängenbleibt, bis schließlich das lebende Netz nachgibt, und er steht dort gerade in der Mitte eines enormen Hofes, und er fühlt - weil sein Mund stark zittert -, wie der Wind ein- und ausweht. Ringsum auf den Gängen sitzen die Frauen. Von ihren Gesichtern bröckelt wie der Staub des Puders der Putz des Alters, an ihren Hälsen Kette aus Falten, läuft herunter, wie sie, sich streckend, den Helden beobachten. „Wen suchst du?“ Das Eisengitter läßt eine Fliege mit ihrem linken Flügel erklingen. „Die ist schon lange fortgezogen, die du suchst.“ Das Gitter läßt die Fliege mit ihrem rechten Flügel erklingen. „Sie ist häßlich und alt geworden.“ Das Geländer zerspringt und schwingt lautlos, und es lehnt sich von allen die häßlichste und älteste heraus: „Mich suchst du, ich bin es“ - doch bis die Stimme um den Gang herumgelangt und der Hof sich einen Augenblick nach ihr umdreht, flattert von rechts das Laub ins Bild, und der Ritter kehrt auf seinen Weg, wie das Bild in den Rahmen, von neuem in einem Moment zurück, aber wie er nochmal unter einem Ast zurückschaut, greift er hin und fühlt mit seiner Hand, wie aus seinem Auge der Honig tropft. 42

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