Gerle János: Die Jahrhundertwerde - Unser Budapest (Budapest, 1993)

Siebte Roüte (Óbuda) Wir betreten wieder einmal Buda. (Geht man von der Margare­teninsel aus hinüber, so sollte man sich den Wasserturm unbedingt ansehen, und, falls es an der einstigen Stelle des Wassers soeben eine Führung gibt, die Stiegen hinaufstei­gen.) Rechts von der Árpád-Brücke erscheint das reformierte Pfarramt (Kálvin köz 4), das erste ausgeführte Gebäude von Kos und Zrumeczky (1907-1908). Der Erfolg dieses Baus brachte ihnen den Auftrag zum Zoo ein. Von der Árpád-Brücke aus fahren wir mit der Vorstadtbahn (HEV) weiter, weil unser nächstes Ziel die Gasfabrik hinter den Siedlungsruinen aus der römischen Zeit in der Höhe der Haltestelle Aquincum liegt. Die Fabrik ist heute schon längst außer Betrieb. Die technologischen Pläne zu diesem sonder­baren Industriebau erstellte zur Jahrhundertwende derselbe Schweizer Architekt, der auch die Zürcher Gasfabrik entwor­fen hatte. Das für die Fabrikarbeiter erbaute, kleine Wohnge­biet entstand zwischen 1911 und 1914 anhand eines einheitli­chen Bebauungsplans (Lóránd Almási Balogh). Sämtliche Wohnhäuser sowie die Schule und der Kindergarten sind Werke einer Hand. Diese in seiner ursprünglichen Form mehr oder weniger erhalten gebliebene Miniwohnsiedlung ist eines der ungarischen Beispiele für die starke, ideelle Wirkung der englischen garden city. Auch die Beamtenwohnungen auf dem Fabrikgelände sind ein wenig klassizistische Interpreta­tionen der Folklorarchitektur (Architekt: Kálmán Reichl, der die Gebäudeplanung der Gasfabrik ausarbeitete). Auf dem Rückweg zur Stadt können wir an der Szentendrei út 129-131, bei dem Schulgebäude anhalten (HÉV-Station Köles utca). Sein Architekt, Rezső Hikisch, arbeitete bei Theo­dor Fischer in München, dessen Wirkung auch an dieser Arbeit gut ablesbar ist (1909-1910). 54

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