Matits Ferenc: Protestantische Kirchen - Unser Budapest (Budapest, 2003)

Der durch seine modernen Statik-Lösungen und Eisenbeton-Arbeiten in der ungarischen Architektur des 20. Jahrhunderts als bestimmende Persön­lichkeit geltende Medgyaszay entwarf hier eine Kirche mit quadratischem Grundriß, in deren Mittelpunkt der Tisch des Herrn steht, dahinter die Kan­zel, darüber die 1937 gekaufte elektrische Orgel mit 24 Registern. Die feinen Schnitzereiarbeiten der von zwei Seiten erreichbaren Kanzel und der Tisch des Herrn verwenden Motive der ungarischen Volkskunst. Auf den von drei Seiten zur Mitte hin gerichteten Bänken, bzw. auf der Empore über dem Ein­gang können insgesamt 700 Personen Platz nehmen. Zu beiden Seiten reihen sich lange, gemalte Fenster, den hellen Kirchenraum deckt eine flache Holz­decke mit Balkenwerk und Bretterverkleidung. Im Souterrain der Kirche be­findet sich ein Gemeindesaal, bzw. ein Theatersaal. Im Zweiten Weltkrieg wurde das ganze Dach der Kirche zerstört, der Turm schwer beschädigt und das Inneren erlitt ebenfalls viel Schaden. Die nach dem Krieg zum Teil durch Staatshilfe, zum Teil von Spenden instand gesetzte Kirche wurde 1974 abermals renoviert. Die reformierte Kirche im Stadtteil Kőbánya (Steinbruch) X. Bezirk, Ihász utca 15 In den 1880er Jahren erkannte man die Notwendigkeit, im Stadtteil Kőbánya eine reformierte Kirche zu bauen. Der Arzt Dr. Endre Bereczky spielte nicht nur bei der Spendensammlung eine wichtige Rolle, er erwirkte auch, daß die Hauptstadt der Gemeinde ein Grundstück schenkte und den Kirchenbau mit finanzieller Unterstützung förderte. 1900 stand das dreischiffige Ziegelge­bäude im neogotischen Stil, nach Plänen des Architekten Lajos Schodits (1872—1941) gebaut, dann fertig da. An seiner Hauptfassade wurde nur der links­seitige Turm verwirklicht, der zweite blieb unvollendet. Über dem durch einige Stufen erhöhten Portal öffnet sich ein prächtiges Rosenfenster. Die übrigen Fenster der Langhaus-Kirche sind ebenfalls farbig. Im Inneren der Kirche hat der Architekt die Ziegel sehr einfallsreich als Dekorationselement verwendet. Die Bänke für 500 Gläubige befinden sich im breiten Hauptschiff, in den schma­len Seitenschiffen in der Nähe der Kanzel sowie auf der Empore. Das Licht dringt durch die gemalten Spitzbogenfenster, welche sich über den von der Empore abgeschlossenen, tiefgedeckten Seitenschiffen auf den Längsseiten befinden, in die Kirche. Die ursprünglich auf der Empore über dem Eingang stehende Orgel mit 28 Registern wurde in den dreißiger Jahren über die Kan­zel umverlegt. 62

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