Szegő Dóra - Szegő György: Synagogen - Unser Budapest (Budapest, 2004)

Der Synagogenbau der Zwanziger Jahre zeigte die Gegensätzlichkeit seiner Zeit. Einerseits verstärkte sich der Antisemitismus der Nachkriegszeit, da man einen Sündenbock für den verlorenen Krieg suchte (Weißer Terror, Numerus clausus), anderseits wurde gleichzeitig, sozusagen als Alternative zur Taufe, die jüdische Tradition, die Bindung an jüdischen Glauben und jüdische Kultur immer stärker. Neben der Assimilation erschien auch die Dissimilation. Ein bedeutendes Mittel der Erhaltung der Gemeinden war die Renovierung der Synagogen oder der Bau neuer Synagogen aus Spenden oder bedeutenden westlichen Darlehen. Die neuen Synagogen wurden meist nicht mehr im Zeichen der 1848er Tradition der „Brüderlichkeit" - mit einer an die christlichen Langhaus-Kirchen anlehnenden Raumordnung - gebaut, sondern in der Tradition des um das Bimah geordneten Zentralbaus. Das noch frühere Vorbild der Langhaus-Ordnung des Jerusalemer Tempels blieb jedoch bestehen. Der Architekt hatte sich hier mit einem scheinbar unlösbaren Gegensatz zu beschäftigen. In der Synagoge in der Páva utca fand Baum­horn die Lösung durch eine imposant neue Konstruktion. Die Synagoge steht an der etwas spitzwinkligen Ecke des Baugrundes, der die Form eines unregelmäßigen Vierecks aufweist. Der Grundriss stützt sich auf die Diagonale des Baugrundes und schließt „an drei Seiten des Achtecks" mit Hofansicht. Der Architekt betonte dabei den Haupteingang und die beiden Emporestiegen. ■ Die Hauptfraaade der Synagoge in der Páva utca nach der Rekomtruktion 68

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