Szegő Dóra - Szegő György: Synagogen - Unser Budapest (Budapest, 2004)
sions-Stil, der Thoraschrein mit dem Triumphbogen, die Säulenkapitelle, das Thoralesepult, die Brüstungen der Emporen und die Kerzenhalter bilden mit den Neoranaissance-Elementen des Gebäudes ein harmonisches Ganzes. Im Inneren bedecken die zu beiden Seiten entlanglaufenden Emporen zwei Seitenschiffe. Das dominante Element des Raumes ist das in der Art einer Basilika erhöhte Stahl- Glas-Dach über dem Hauptschiff. Dieses ist mit der Oberbelichtung der Budapester Theater- und Kinoräume jener Epoche verwandt und gleicht das niedere Innere gut aus. Über den Emporen bedeckt eine flache Decke den Raum. Der etwas traditionelle Charakter der Synagoge, die sich aber doch der damaligen technischen Möglichkeiten bedient, widerspiegelt den vorausblickenden, doch kleinbürgerlichen, maßhaltenden Konservativismus der Juden der Neuen Leopoldstadt. Den Tra- ditionalismus der teilweise aus der Provinz stammenden Gemeinde widerspiegelt auch die Gottesdienstordnung, das Fehlen der Orgel und die Plazierung des Thora- Lesepultes in der Mitte. Die Synagoge in der Hegedűs Gyula utca ist eine der letzten Arbeiten Baumhorns. 1932 verstarb der Architekt und hinterließ als Synagogenbauer ein auf der Welt einzigartiges Lebenswerk. Die Synagoge in der Cserkesz utca Die Urbanisierung des Bezirks Kőbánya (Steinbruch) und die Blüte der jüdischen Gemeinde fielen in die gleiche Zeit. Die neologe jüdische Gemeinde baute 1891 ihr erstes Bethaus. In der fortschrittlichen Umgebung kam bei der zur Jahrhundertwende schon mehrere tausend Mitglieder zählenden Kőbányaer neologen Gemeinde der Gedanke auf, eine Große Synagoge zu bauen. 1909 bekam die Gemeinde die Bauerlaubnis und so entstand eine der letzten Schöpfungen der Synagogenwelle, die dann durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen wurde. Die Kőbányaer Synagoge wurde das bekannteste Werk Richard Schöntheils. Sie ist eine mutige Neuerung, zeigt jedoch noch den Einfluß des Werkes von Lipót Baumhorn. Der kleine Vorgarten wird umgeben von einem Zaun und einem Tor aus Bruchstein und geschmiedeten Elementen mit ungarischen und Sezessions-Motiven. Auch die Fassade wird von Bruchstein beherrscht, der sich jedoch mit Rohziegel- und gemörtelten Maueroberflächen abwechselt. Die Sezessions-Dekoration der Kuppel besteht aus Zsolnay-Pyrogranit und Eiseneinlagen. Die Konstruktion der Bedachung mit Kuppelwirkung im Zentrum besteht aus eisernen Gitterträgern, die Schalenoberfläche ist aus Beton. Die Vorhallen, welche sich von drei Seiten her an den Hauptblock anschließen, enden in hohen gestuften Giebeln - ähnlich wie die Tympana der Baumhorn-Synagoge in der Aréna út. An den Giebeln befinden sich halbkreisförmige, von Bruchstein umrahmte Fenster mit Davidstern-Rosetten. An 56