Ferkai András: Wohnsiedlungen - Unser Budapest (Budapest, 2005)
ja sogar als ihre Vorgänger aus dem 19. Jahrhundert. Von einer Non-profit-Or- ganisation, einer Genossenschaft oder einer Baugemeinschaft kann man bessere Qualität erwarten, da niemand sein eigener Feind ist. Leider haben wir keinen Grund in dieser Hinsicht optimistisch zu sein. Es ist eine schlechte Tradition Budapests, daß die Stadt in den letzten 150 Jahren weder durch Kredite oder Steuerbegünstigungen, noch durch billige Baugrundstücke solcherart Initiativen unterstützt hat. Die heutige Lage ist von diesem Statndpunkt aus also um nichts besser als zur Gründerzeit im 19. Jahrhundert. Die andere unaufschiebbare Aufgabe wäre eine Rehabilitation der Plattenbau- Wohnsiedlungen. Schon Mitte der achtziger Jahre hatte man zu diesem Thema einen Wettbewerb ausgeschrieben. Die Wettbewerbsarbeiten zeugen davon, daß die Skala der wertverbessernden Renovierungsmittel sehr breit war: horizontale und vertikale Zusammenziehung der Wohnungen, Umorganisieren des Grundrisses innerhalb der Konturen, Wohnungserweiterung durch Anbau, Aufbau eines Hochdaches oder Dachgeschoßes, nachträgliche „Einkleidung" der Fassade, Schaffung von an die Gebäude angeschlossenen privaten oder halbgemeinschaftlichen Gärten, neue Verwendung des Erdgeschoßes, Bewegung des Terrains, Bebauung freien Raumes um geschlossenere städtische Plätze ins Leben zu rufen usw. Meines Wissens nach wurde bei uns noch keine einzige Renovierung dieser Art unternommen: die Gemeinschaften der nun zu Gesellschaftshäusern gewordenen Gebäude sind froh, wenn sie staatliche Unterstützung zur nachträglichen Modernisierung der Wärmeisolierung und des mechanischen Systems erhalten. Es müßten jedoch ernstere Eingriffe als diese vorgenommen werden, damit die Wohnsiedlung nicht zum Schauplatz der Zerstörung und des ständig wiederkehrenden Vandalismus werde. 78