Ferkai András: Wohnsiedlungen - Unser Budapest (Budapest, 2005)

■ Zweiter Bebauungsplan der József Attila Wohnsiedlung an der Üllői út (1955) sah auf jenes Gelände 8000 Wohnungen (30000 Bewohner) vor. Der Entwurf zeigte eine den stalinistischen Städtebau-Prinzipien entsprechende geschlosse­ne, formelle Komposition, mit einer feierlichen Hauptachse und betontem Zentrum. Den Plan überfuhr jedoch die Geschichte! Auf dem Moskauer Archi- tekten-Plenum im Dezember 1954 verurteilte Chruschtschow die stalinistische Architektur, da sie durch ihre Archaisierung das Bauen verteuerte und die Einführung der modernen großindustriellen Bautechnik behinderte. Nach die­ser Rede konnte die größte Wohnsiedlung der Hauptstadt nun nicht mehr den verurteilten Prinzipien entsprechend gebaut werden. Deshalb veranstaltete das Ministerium Ende 1955 eine geschlossene Planausschreibung zur Anfertigung des neuen Bebauungsplans. Den Wettbewerb gewann wieder Árpád Mester, mit einer modernen, von der vorherigen grundlegend abweichenden Konzeption. Das steife rechtwinklige System löste südlich von der Üllői út ein lockeres, natürlich verlaufendes inneres Straßennetz ab, welches das Gebiet in fünf Wohnbezirke teilte, ln jedem entstand ein Unterzentrum mit Schule, Kin­dergarten, Kinderkrippe und Kaufhaus. In der Mitte der Siedlung, an der heutigen Dési Huber utca, ließ man einen Platz für das Zentrum der Wohnsiedlung frei, wo ein Gymnasium, ein Klubhaus- Kino-Gebäude, ein Freilichttheater und ein Krankenhaus mit 400 Betten gebaut werden sollten. (Davon wurde kaum etwas verwirklicht. Heute ist die einzige wichtigere öffentliche Institution der Siedlung die Buddhistische Hochschule.) Eine andere wichtige Änderung war, daß die Gebäude unabhängig von den Straßen waren. Die freistehenden Punkt- und Scheibenhäuser sind leichter zu 60

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