Ferkai András: Wohnsiedlungen - Unser Budapest (Budapest, 2005)

dengänge lassen die Höfe im Schatten der inzwischen gewachsenen Bäume aus­gesprochen freundlich erscheinen. Die Maßstäbe der Wohnsiedlung in der Kere­pesi út und derjenigen in der Nagy Lajos király út (1953-55, Vilmos Henk, Zoltán Vidos) sind menschlich, ihr Raumsystem übersichtlich und städtisch. Sie funktio­nieren, haben sich bewährt, ja, sie haben sogar Stimmung, was man von der ge­genüberliegenden Plattenbausiedlung in der Füredi út, die 10-15 Jahre später gebaut wurde, nicht behaupten kann. Experimentelle Wohnsiedlung in Óbuda (Altofen) Im Schatten der in den [970er Jahren gebauten brutalen Óbudaer Wohnsiedlung und des im Jahre 2000 errichteten Einkaufs- und Unterhaltungszentrums in der Bécsi út befindet sich eine kleine und abgenützte Wohnsiedlung aus kaum drei Dutzend Häusern, das interessanteste Experiment des Jahrzehnts nach 1956. Ihre Rolle war ähnlich derjenigen des 1957er Westberliner Hansa-Viertels-. Präsen­tation der modernsten Wohnungsformen in Form einer Architektur-Ausstellung. Das Berliner Hansa-Viertel hatte man jedoch als eine internationale Ausstellung organisiert, welche weltbekannte Architekten vorstellte (der damaligen Teilung Berlins wegen augenscheinlich mit politischem Ziel), die Óbudaer experimentelle Wohnsiedlung blieb hingegen innerhalb nationaler Rahmen und ihr Ziel war auch praktischer: sie bereitete die Standardpläne für den massenhaften Wohnungs­bau vor. Die nach der Niederwerfung der Revolution von 1956 gebildete Regie­rung verkündete nämlich ein großangelegtes Wohnungsbau-Programm: man wollte im Laufe von 15 Jahren 1 Million Wohnungen bauen, von denen sollten im 1961 beginnenden zweiten Fünfjahresplan gleich 250 Tausend unter Dach ge­bracht werden. Die Erfüllung des Plans verlangte, daß im staatlichen Sektor ■ Planzeichnung der experimentellen Wohniiedlung in Óbuda (Albert Kia János Pomőár, 1958) 55

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