Faurest, Kristin: Zehn Budapester Plätze - Unser Budapest (Budapest, 2010)
— wie auch ihr Name „Meister" (mester) zeigt - von Handwerkern, kleinen Manufakturen u. ä. besiedelt. ln den Viola, Bokréta, Liliom, Páva utca und anderen Straßen mit ähnlich evo- kativen Namen befanden sich kleine, ebenerdige Häuser mit großen Höfen und Gärten, ln der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veränderten zwei bedeutende Faktoren die soziale Struktur der Gegend. Erstens nahm der Schiffshandel mit Weizen und anderen Getreidesorten rapide zu - diese Schiffe bedienten große Mühlen am Flussufer, die auch heute noch sichtbar sind. Außerdem gab es auch mehrere Schlachthäuser im südlichen Teil des Bezirks. Alldies trug dazu bei, dass Ferencváros der „Magen Budapests" genannt wurde. Zweitens wurden mehrere Fabriken entlang der Schienen des Ferencvároser Bahnhofs gebaut, ebenso am Flussufer, was zu nahegelegenen Hafenanlagen auf der Csepeler Insel führte. Als nach und nach die Industrie vorzuherrschen begann, änderte sich die Bevölkerung der Mester utca und immer mehr Fabrikarbeiter und Taglöhner zogen hin. Der Maler Béla Szalmás (1908—61) malte mehrere Bilder vom Ferenc tér. Sie zeigen den Platz wie er damals war, umringt von meist ebenerdigen dörflichen Häusern. „Ferenc tér” aus dem Jahr i960 stellt einen schattigen Platz dar, mit den Häusern Nr. 9, 10 und 11 im Hintergrund. Die „Ferenc-térer Erinnerung" aus dem Jahr 1959 zeigt den Platz in herbstlichen Farben. Bedeutende Renovierungen begannen in den 1980er Jahren in der Gegend zwischen Üllői út und Mester utca. Tompa, Angyal, Liliom, Páva, Berzenczey, Bokréta und Viola utca erfuhren die größten Veränderungen. Veränderungen fanden auch in letzter Zeit statt, einschließlich der kompletten Revitalisierung des Ferenc tér. Was die Gegend in den letzten Jahren erfuhr, ist ein zweideutiger Segen. Dank der neueren Renovierungsprogramme gewann sie viel grünen Raum von Qualität, sowohl privaten (Höfe) als auch öffentlichen (Parks). Reduzierung des Verkehrs, fußgängerfreundliche Straßen, große Höfe mit Blumen und Spielplätzen haben alle zur Wohnlichkeit der Gegend beigetragen. Und trotzdem, wenn wir uns alte Bilder des Ferenc tér und seiner Umgebung ansehen und sie mit den sauberen und geräumigen, aber sterilen Gebäuden von heute vergleichen, so ist es unmöglich, den Verlust der ursprünglichen Architektur und des Charakters der Nachbarschaft nicht zu bedauern. 54