Faurest, Kristin: Zehn Budapester Plätze - Unser Budapest (Budapest, 2010)
Lasst uns jedoch zurück ins 19. und frühe 20. Jahrhundert gehen, als der Teleki noch der Markt an sich war. Es folgte ein langsamer Prozess des Versuchs einer ständig wachsenden Stadt, den schäbigen Trödelmarkt immer weiter nach außen zu schieben. Der ursprüngliche, offizielle Trödelmarkt von Budapest aus dem Jahre 1897 funktionierte hier bis 1950, bis er in die Ecseri út umzog, um dann 1964 in die Nagykőrösi út zu ziehen, wo er sich auch heute noch befindet. Zu dieser Zeit entwickelte er sich in seinem Grundangebot von gebrauchten Kleidern und Schuhen zu billiger Schmuggelware, dann zu einem Antiquitäten- und Kunst-Markt. Im öffentlichen Bewusstsein wurden diese geographischen Änderungen jedoch nur langsam aufgenommen. Der Markt hieß noch lange „Teleki", heute heißt er noch immer „Ecseri”, obwohl er sich nun an einer dritten Adresse befindet. Am Teleki war das rote Backsteingebäude von morgens bis abends voller eifriger Geschäftigkeit. Meist gab es Auktionen, bei denen das Geld durch so viele Hände ging, dass man Autorisierungen vorzeigen musste. Es gab auch viel gemeinen Handel, wie mit Fetzen, gebrauchten Schuhen oder anderen Billigwaren - Nachfrage und Angebot für Waren dieser Art waren jedoch recht bedeutend. Der Markt verteilte sich auch auf die angrenzenden Straßen und abends unterhielten sich die Händler in den Kneipen und Kinos der Umgebung. 1882 entschied der Stadtrat, den Platz auszubauen. Dieses kam auch in den Regulierungsplan für die Gegend, fehlendes Geld verhinderte jedoch die Ausführung des Projektes. Ein Einwohner schrieb an die Stadtverwaltung und bemerkte, dass die Infrastruktur nicht dem Verkehr der Gegend gewachsen sei: ....Am Teleki tér, wo es nun schon seit einer Weile einen Heumarkt gibt und der deshalb auch dazu berufen ist, ein wichtigerer Verkehrsknotenpunkt zu sein — herrschen ein solch abnormaler Zustand, Verwarlsung, Schlamm und Schmutz, so dass er sowohl im Sommer als auch im Winter fast unerreichbar ist..." 1893 wurden in der Népszínház utca Straßenbahngeleise gelegt, 1896 dann die Geleise, welche den Teleki tér mit dem Könyves Kalman körút verbanden. Im frühen 20. Jahrhundert gab es ein großes Angebot an Möbeln, einschließlich in Wiener Manufakturen erzeugte neo-barocke und Rokoko-Garnituren. 1906 befanden sich am Teleki 9 Werkstätten und 237 Geschäfte, mehr als anderswo im Bezirks, außer in der Baross utca und im József körút. Fabriken gab es hier keine, was für jene Zeit ungewöhnlich war.