Radek Tünde - Szilágyi-Kósa Anikó (szerk.): Wandel durch Migration - A Veszprém Megyei Levéltár kiadványai 39. (Veszprém, 2016)
1. Landschafts- und Gemeinschaftswandel als Folge von Migration - Prosser-Schell, Michael: Aufzeichnungen sagenhafter Erzählstücke durch Jenő Bonomi und Anna Loschdorfer im IVDE Freiburg. Minderheitenvolkskunde der Deutschen in Ungarn in der Zwischenkriegszeit
98 Prosser-Schell, Michael: Aufzeichnungen sagenhafter Erzählstücke Neben dem „Wilden Jäger“/ der „Wilden Jagd“ finden sich allerdings, wie die oben angeführten, immens hohen Zahlen der Aufzeichnungen schon erahnen lassen, diverse und vielfältige andere Motive und Erzählstücke. Interessant im Hinblick auf unsere Eingangsfrage erscheinen etwa die Erzählungen über die Kaiser Josef II. und Franz-Josef I. - und darin die Figurierungen dieser beiden Habsburgermonarchen. Auf welche Weise wurde in den 1930er Jahren über sie erzählt, wie wurden sie im Erzählkreis, in der dörflichen Erzählkommunikation der 1930er Jahre, die außerhalb des in der Schule vermittelten Wissens vor sich ging, populär dargestellt, positiv oder negativ konnotiert? Mit welchen Vokabeln und Attributen werden die Monarchen nach der politischen Erledigung der Flabsburgerdynastie in den Dörfern noch belegt und bezeichnet? Mit Kaiser Josef II. sowie Kaiser Franz Josef als Motiven und Protagonisten sind insgesamt, im ganzen Korpus „Erzählgut Ungarn“, noch 27 Texte (24 zu Kaiser Josef II., drei zu Kaiser Franz-Josef I.) über Datenbankrecherche eindeutig auffindbar. Interessant sind auch die zahlreichen Sagenstücke, in denen „Ingenieure“ mit-thematisiert werden oder sogar schon als Protagonisten erscheinen; hier seien erneut nur wenige - drei - Beispiele in Auszügen zitiert Ein Stück kommt aus Bonomis Notaten, „Geisterhafter Ingenieur“ heißt die Geschichte. Die beiden anderen, überschrieben mit „Marksteinverleger - Ingenieure“ und „Feuriger Mann“, kommen aus Anna Loschdorfers Aufzeichnungen in ungarischer Sprache. Erzählperson für Bonomi war die damals 84jährige „Frau Schießl“ (Aufnahme „1937“ in Kalasch/Budakaläsz, einem Dorf im Ofener Bergland). Von Frau Schießl sind fünf Erzählungen überliefert, die sind in der Form der Erlebnissage gestaltet: Sie habe die Geschichte in jungen Jahren von ihrem Vetter gehört, der zum Kommahlen zur Mühle an die Donau gefahren sei. Dort sei am Flussufer ein Herr gestanden, der sei mit einem Ingenieur in die Mühle gefahren, und habe ihn aufgefordert, er solle messen, wie breit die Donau ist; dazu habe er ihm dazu eine Kette gegeben (i. e. eine Messkette), die aus Gold war: „Tuat is am Taund a Haar kschtauntn, min Scbinoogl isa äinikfoan [in die Mühle], täa hot’n au(n)kreet, da sul meisn, wie praad die Taana is. Äa hot iám a Khee(d)n kei(b)m, ti woa aus Kuld. “ — Äa hot ksokt, äa sul am Wossa kee(n), äa wäat nät undakee(n). Dann habe man ihm gesagt, er solle ans Wasser treten, er werde nicht untergehen. Und doch sei er in die Donau hineingejallen: tyÄa hot’s owa in di Taana kschmissn“. Der Vetter der