Radek Tünde - Szilágyi-Kósa Anikó (szerk.): Wandel durch Migration - A Veszprém Megyei Levéltár kiadványai 39. (Veszprém, 2016)

1. Landschafts- und Gemeinschaftswandel als Folge von Migration - Prosser-Schell, Michael: Aufzeichnungen sagenhafter Erzählstücke durch Jenő Bonomi und Anna Loschdorfer im IVDE Freiburg. Minderheitenvolkskunde der Deutschen in Ungarn in der Zwischenkriegszeit

Prosser-Schell, Michael: Aufzeichnungen sagenhafter Erzählstücke 93 ganzen Korpus. Zitieren wir im Hinblick auf weitere Detailprobleme eine ungarische, von Anna Loschdorfer erhobene, ganz kurze Fassung. Aufzeich­nungsdatum war der „24. August 1937“, als Erzähler wird ein „Andreas Ko- reny“13 angegeben, damals „72 Jahre alt“14: Acj kiabálták, mondják Alsó Told fölött: ,Tutta-ta- tá ta hajtál’ A% is szellem volt. Ott kiabálták AUsó Told fölött. [Man sagt, oben über Alsótold haben sie (die Wildjäger) so geschrieen: ,Tutta-ta-tá ta hajtá. Das war auch ein Geist.] („Hajtd“, dies %ur Erläuterung, war der Anfeuerungsruf, der gegenüber Hunden, aber auch beim Angriff von den Soldaten der ungarischen Armee herausgebrüllt wurde.) In beiden Stücken begegnet eine an die mundartliche Erzählsprache und ebenso eine an bestimmte Lautmalereien (Wimmern, Heulen, Schreien) engstens angenäherte Transkription. Sie ist phonetisch sehr viel exakter als etwa in Alfred Karaseks und Walter Kuhns Aufzeichnungstexten, die ihre Notate in Gabelsper- ger Stenographie schrieben, um schneller zu sein und zahlenmäßig möglichst viele Texte während der begrenzten Zeitspanne ihrer Exkursionen notieren zu können. Neben der starken Hervorhebung des ortsüblichen Dialekts fällt in der Transkription also auch die Berücksichtigung des Schreiens, Rufens, Wimmerns und Schluchzens (mit der „NjiP'-Fhonetisierung) auf. Als Texte, die wir materi­alisiert auf Papier nur lesen können, nicht aber sensorisch hören, wirken sie gegenwärtig - wie soll man es sagen? - etwas schlicht, seltsam und vielleicht sogar etwas kindlich: einfach deshalb, weil ein Typoskript nicht,klingt’, weil die physische und lautiiche Ausmalung nicht mehr empfangen werden kann. Die Übertragung in Typoskript-Blätter als materialisierter Niederschlag der Erhe­bung, die im Karasek-Nachlass als „Erzähl-GT/‘ bezeichnet wurden, sind ja etwas anderes als die Botschaft der eigentlichen Erzähl-Handlung Kulturanth­ropologisch betrachtet macht eine solche Transkription die analysewilligen Rezipienten indirekt noch immer darauf aufmerksam, dass zum Darbieten und zum Rezipieren eines solchen Erzähltextes die Variationen der Stimme, die Physiognomik, Gestik und Gebärden gehört haben, dass dazu eine darauf einge­stellte soziale Situation, mit dem gemeinsamen Resonanzkörper von Erzählper­13 Koreny selbst kam aus Felsőtold, erzählt wird über Alsótold, ein Dorf im Komitat Nógrád im nördlichen Ungarn nahe der Slowakei, heute (2010) mit 252 Einwohnern. 14 Nachlass Karasek, Rubrik „Erzählgut Ungarn“, Reihe 5, Mappe 27, Text Nr. 83. Alle Erzählpersonen werden mit deutschen Namen angegeben oder haben magyarisierte Namen (etwa „Szarvas“ — „Hirsch“).

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