Radek Tünde - Szilágyi-Kósa Anikó (szerk.): Wandel durch Migration - A Veszprém Megyei Levéltár kiadványai 39. (Veszprém, 2016)
1. Landschafts- und Gemeinschaftswandel als Folge von Migration - Prosser-Schell, Michael: Aufzeichnungen sagenhafter Erzählstücke durch Jenő Bonomi und Anna Loschdorfer im IVDE Freiburg. Minderheitenvolkskunde der Deutschen in Ungarn in der Zwischenkriegszeit
100 Prossei-Schell, Michael: Aufzeichnungen sagenhafter Erzählstücke Jahre, auch die Figur des Ingenieurs in der „Fluch“-Legende aufscheint und gleichsam einen Übergang bildeten zwischen der alten, rein anschauungs- und zeugnisgestützten Grenzsteinsetzung, und dem modernen, mit naturwissenschaftlich-technischen Methoden absichemden Markscheidewesen. Garáb, Felsőtold und Alsótold sind nun Orte, die, soweit ich sehen konnte, nicht oder kaum von Deutschen historisch besiedelt worden und es im früheren 20. Jh. auch nicht waren. Der Ort Felsőtold liegt in Nord-Ungarn, Komitat Nógrád, nahe beim heutigen Weltkulturerbe-Ort Flollókő und hat heute knapp 200 Einwohner.) Felsőtold und Alsótold waren Gründungen des Mittelalters gewesen, waren dann während der Osmanenkriege wüst geworden und wurden im 18. Jh. neu besiedelt. Gemäß den ungarischen Volkszählungen von 1880 bis 1920 (Schnitzer 1928: 162—165) waren keine Angaben zur deutschen nationalen Minderheit zu finden, auch in der geographischen Umgebung nicht. Der Ort Garáb bildet einen Flecken nahe Pásztó (ebenfalls Komitat Nógrád), mit gegenwärtig 49 Einwohnern. Im Komitat Nógrád hatten sich 1910 überhaupt nur 1,2% der Bewohner als Deutsche gemeldet, mit rückläufiger Tendenz in die 1920er Jahre hinein. (Schnitzer 1928: 162—165) Meine (empirisch imgeschützte) Mutmaßung heißt: Es könnte in diesem Fall also wohl um den Aufweis des Vorkommens derselben Motive in beiden Sprachgebieten, sowohl im deutschen wie im allein ungarischen Sprachgebiet gehen: um den programmatisch geforderten Aufweis des „kultur- und geistesgeschichtlichen Zusammenhangs“ der verschiedenen Ethnien Ungarns, wie Bleyer formuliert hatte. Man bemerkt an diesen Texten auch wieder deutlich das Bemühen, die vorgetragene Sprechsprache und die zur erregenden Steigerung eingesetzten Lautmalereien und Flüche in der Schriftdokumentation wiederzugeben. An diesem ausgewählten Beispiel (und an wenigen weiteren aus dem Korpus Losch- dorfers) kommt allerdings etwas Entscheidendes für die Gesamtsicht im Hinblick auf die darzustellende (und somit doch immer auf irgendeine Weise repräsentierende) Dorf-Kultur hinzu (was fast ganz in Vergessenheit geraten, aber klandestin und doch virulent auch heute bedeutsam und zweifellos wirksam ist), nämlich der hier auch im literalen Notat erscheinende, obszöne Fluch als wiedergegebener Teil der Erzählung. Die Frage entsteht dann (und besteht noch immer, auch in unserer Gegenwart), ob die Fluchsprüche der „Kultur“ bzw. der „bestimmten Kultur einer bestimmten ethnischen Gruppe“ repräsentativ zuzuschlagen sind? Soll also, wenn der — außerhalb der dörflichen, direkten Kommunikation — später schriftlich fixierte und für Untersuchungen zu veröffentlichende Korpus dann unter Rubra wie „Sagen-Schatz“ und „Erzähl-Gut“