Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)
Hans Hahnenkamp: Eliten der Wirtschaft im Burgenland zwischen den beiden Weltkriegen
Fabrikdirektor und hatte zweifellos großen Anteil an der Entwicklung des Unternehmens. Bei der Konstituierung des Beirates am 12. März 1923 wurde Walter für die Industriesektion Vizepräsident der Kammer. 1925 schied er freiwillig aus dem Beirat und damit auch als Vizepräsident aus. Sein Nachfolger als Vizepräsident wurde Emil Spitzer, Lederfabrikant in Eisenstadt. Als Jude verfolgt emigrierte Walter am 18. September 1938 nach Budapest, wo er bereits am 10. November 1938 starb.18 In Müllendorf wurde und wird noch heute Kalkstein abgebaut und zu Kreide verarbeitet. Ein bedeutender Direktor der Firma „Burgenländische Kreide- und Chemische Werke A.G.” war Dr. Paul Stiaßny (5. Feber 1884 in Wien - 13. März 1938 in Wien) Paul Stiaßny wurde in Wien als Sohn des Rechtsanwaltes Moritz Stiaßny geboren, besuchte nach der Volksschule das Gymnasium und studierte nach der Matura an der Universität Bern, wo er zum Dr. phil. promovierte. Er wurde Gesellschafter der Fa. Beck, Koller &. Co. (Wien-Berlin-Detroit USA) sowie Präsident des Verwaltungsrates der Burgenländischen Kreide- und Chemischen Werke A.G. in Müllendorf. Vor allem die Erzeugung von Schlämmkreide war starken Schwankungen unterworfen, weil sie von der Baukonjunktur abhängig war. Darüber hinaus hatte Stiaßny mit der Konkurrenz der zollfrei eingeführten Rügener Kreide zu kämpfen, hauptsächlich in Nordböhmen und Galizien. Es besserte sich aber die Situation. 1927 war bereits wieder 76 Arbeiter beschäftigt. Die Kalk- und Kreidebrüche in Müllendorf sind die einzigen Vorkommen dieser Art in Österreich. Als Industrieller engagierte er sich auch in seiner Interessenvertretung. Er wurde am 15. Juli 1925 anstelle von Ing. Eugen Werner zum Kammerrat der Sektion Industrie im Beirat für Handel, Gewerbe und Industrie, der späteren Handelskammer, bestellt. Am 29. Oktober 1926 wurde er Kassaverwalter (Finanzreferent) und nach dem Tod des Lederfabrikanten Emil Spitzer aus Eisenstadt am 30. November 1928 zum Vizepräsidenten gewählt, (bis Ende 1935). Am 16. März 1929 wurde ihm der Titel Kommerzialrat verliehen. Stiaßny bekleidete weitere Funktionen, u.a. war er Vorstandsmitglied der Burgenländischen Industriellenvereinigung, ordentliches Mitglied der Industriellen Bezirkskommission für das Burgenland (seit August 1923), seit 1925 Finanzreferent der Arbeitgeberkurie, ständiger Experte des österreichischen Zollbeirates ab 1928 Mitglied des Überwachungsausschusses der Burgenländischen Landes-Kranken- kasse, ab 1929 deren Vorsitzender, Kammerdelegierter im Österreichischen Kuratorium für Wirtschaftlichkeit, im Hauptausschuss der Internationalen Handelskammer, im Verwaltungsrat zur Förderung der Technisch-gewerblichen Bundeslehranstalt in Mödling, in der Gesellschaft für Volksgesundheit im Burgenland, 96