Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)

Hans Hahnenkamp: Eliten der Wirtschaft im Burgenland zwischen den beiden Weltkriegen

Fa. J. Medinger und Söhne 1841 hatte Johann Medinger in Wien die Firma „J. Medinger und Söhne” gegrün­det. 1880 war sein jüngster Sohn Dr. Emil Medinger in die Firma eingetreten. Geb. 1852 hatte er in Deutschland Chemie studiert und sich als Privatdozent an der Heidelberger Universität habilitiert. 1885 wurde in Neufeld a.d. Leitha eine Weinsteinsäurefabrik errichtete, weil der Großteil des Rohmaterials in den unga­rischen Weinbaugebieten anfiel. Diese Gründung erwies sich als außerordentlich glücklich, denn der ungarische Weinstein bewährte sich als überaus verlässliche hochwertige Rohmaterialquelle. 1909 starb Dr. Emil Medinger. An der Spitze des Unternehmens stand viele Jahre Eduard Medinger (1848- 1932) der zweite Sohn von Johann Medinger. Welche Bedeutung die Firma J. Medinger und Söhne in der Monarchie und später hatte, zeigt die Tatsache, dass Eduard Medinger zum Generalrat der Österreichisch-ungarischen Bank, der Vor­läuferin der Oesterreichischen Nationalbank, berufen wurde. Die Zehn-Kronen- Banknote, ausgegeben am 2. Jänner 1922, trägt seine Unterschrift. Der Sohn von Dr. Emil Medinger, Dipl. Ing. Dr. Robert Medinger (8. Juli 1887 in Himberg - 1. November 1957 in Wien) absolvierte das Gymnasium in Wien und studierte an der Technischen Hochschule in Wien (Dipl.-Ing. 1911, Dr. techn. 1912). Anschließend ging er auf eine ausgedehnte Studienreise nach USA, China, Japan und Indien. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges berief ihn nach Hause, wo er als Leutnant zum k.u.k. Ulanen-Regiment Nr. 11 einrückte. 1916 ließ er sich zur Luftwaffe überstellen, wurde als Rittmeister und Fliegerstaffelkom­mandant über Venedig abgeschossen und kehrte 1920 aus italienischer Kriegsge­fangenschaft heim. 1923 trat er in die Firma J. Medinger und Söhne ein, deren technische Umstellung er ebenso maßgeblich trug, wie er an der erfolgreichen Exportentwicklung der Firma in den Zwanzigerjahren mitwirkte. Nach dem Tod seines Onkels Eduard Medinger übernahm er 1932 die Leitung des Betriebes. Seit 1923 bekleidete Medinger wichtige Funktionen in der Organisation der ge­werblichen Wirtschaft des Burgenlandes. Am 15. Juli 1925 wurde er vom Handelsmi­nister zum Ersatzmitglied für die Industriesektion in den Burgenländischen Beirat für Handel, Gewerbe und Industrie und am 19. November 1928 zum Mitglied bestellt. 1926 wurde er Vizepräsident der Industriellenvereinigung des Burgenlandes und Vorsitzender der Industriellen Bezirkskommission, der Vorläuferin der Ar­beitsmarktverwaltung, wo er erfolgreich gegen die im Burgenland drückende Ar­beitslosigkeit der Dreißigerjahre wirkte. So gelang ihm u.a. die Vermittlung von Bauarbeitern zum Bau der Großglocknerstraße, sowie in die Schweiz. Große Probleme der Firma führten 1929 zum Ausgleich, während dieser Zeit war Dr. Medinger als Kammerrat suspendiert. Die wirtschaftlichen Schwierigkei­ten wurden aber überwunden. 84

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