Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)

Hans Hahnenkamp: Eliten der Wirtschaft im Burgenland zwischen den beiden Weltkriegen

Hans Hahnenkamp (Eisenstadt) ELITEN DER WIRTSCHAFT IM BURGENLAND ZWISCHEN DEN BEIDEN WELTKRIEGEN Der Anschluss von Teilen Deutschwestungarns an Österreich brachte den Verlust der wirtschaftlichen Zentren wie Wieselburg, Ödenburg, Güns, Steinamanger und St. Gotthard und deren Umfeld. Damit waren die seit Jahrhunderten bestandenen Absatzgebiete verloren ge­gangen und auch die Rohstoffversorgung war zum Teil unterbrochen. Dies zwang zur Suche nach neuen Märkten und neuen Rohstoffquellen. Dass dies in der wirt­schaftlichen Situation der Zwanzigerjahre des vorigen Jahrhunderts nicht leicht war, ist durchaus verständlich. Die Einbeziehung in den österreichischen Wirtschaftsbereich brachte zudem eine Reihe von Umstellungen, die von vielen, vor allem Kleinbetrieben, nur schwer zu bewältigen waren. So wurde am 1. April 1922 ohne Ubergangsffist - die schwin­delerregende Inflation hätte dies auch nicht ermöglicht - die österreichische Kro- nen-Währung eingeführt. Ab diesem Zeitpunkt war es den Handels- und Gewer­betreibenden nicht mehr erlaubt, in ungarischen Kronen zu rechnen. Es mussten schlagartig die Preise, Angebote, Rechnungen, Fakturen, Preislisten usw. in öster­reichischer Währung ausgewiesen werden. Dazu kamen die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Obwohl die Muttersprache deutsch war, wurden die Kinder in der Schule ungarisch unterrich­tet und lernten diese Sprache in Wort und Schrift. Es fiel ihnen daher sehr schwer, nunmehr die gesamte Korrespondenz, die Angebote und Rechnungen in der von ihnen zwar gesprochenen, aber in Wort und Schrift nicht so vertrauten deutschen Sprache zu erledigen. Die größeren Betriebe hatten zwar keine Sprachprobleme, aber auch sie hatten dafür umso mehr mit den Absatzproblemen und der Rohstoffversorgung zu kämpfen. Dann kamen die Wirtschaftskrisen in den Zwanziger- und Dreißigerjahren mit Bankenzusammenbrüchen und damit zur Vernichtung von Kapital. Vielen gelang es, die Schwierigkeiten durch persönlichen Einsatz und Mut zu überwinden und sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Diesen Persönlichkeiten und auch anderen, die erst nach dem Ersten Welt­krieg bzw. dem Anschluss neu begannen, gilt das heutige Thema. Dass diese Eliten der Wirtschaft oft auch in der Politik und in ihrer Interessenvertretung gefragt waren, ist daher verständlich. Eine besondere Stellung nahmen vor allem Persönlichkeiten aus der Industrie ein, die meist nicht nur das Familienunternehmen gründeten oder weiterführten, 82

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