Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)
Andrej Pančur: Eliten des Wirtschaftslebens im slowenischen Raum
in das politische und nationale Leben einmischten.60 Den erfolgreichen Grazer Industriellen Janez Puh (Johann Puch) (1862-1914) können wir so trotz seiner unumstritten slowenischen Herkunft in keinem Fall zu einem Slowenen erklären, sondern er war primär Österreicher.61 Erst mit dieser nationalen Differenzierung begann sich allmählich die bestehende Wirtschaftselite in den „slowenischen“ Ländern, in eine slowenische und eine deutsche zu spalten. Doch dieser nationale Differenzierungsprozess war ausgesprochen mehrschichtig und langwierig. Bezeichnend ist das Beispiel der Familie Kosler. Die ethnische Herkunft des erfolgreichen Krainer Händlers Johann Kosler (1780-1864) war deutsch. Von seinen Söhnen hat sich Peter (1824-1879) der slowenischen Partei angeschlossen und wurde einer der führenden Vertreter der kleinen slowenischen Wirtschaftselite. Sein Bruder Johann (1819-1898) schloss sich der entgegen gesetzter (deutscher) Verfassungspartei an. Dennoch haben beide Brüder gemeinsam mit ihrem Bruder Joseph (1822-1917) in einigen Unternehmen erfolgreich zusammen gearbeitet (z.B. in der Brauerei Union in Ljubljana). In der nachfolgenden Generation verbanden sich die Koslers verwandtschaftlich mit wohlhabenden Ljubljaner Deutschen und wurden so ein bekannter Teil des Krainer Deutschtums.62 Ähnlich haben sich in den folgenden Generationen die Nachkommen des bereits oben erwähnten wohlhabenden Industriellen Fidelis Terpinc mit dem deutschen Bürgertum verbunden.63 Im deutschen Lager landete auch der vorher slowenisch orientierte erfolgreiche Industrielle Franz Xaver Woschnagg (1832-1912) aus SoStanj, der ältere Bruder des bereits erwähnten Josip VoSnjak.64 Aus diesen oder jenen Gründen hat sich die Mehrheit der Wirtschaftselite der Untersteiermark und in großer Zahl auch die in Krain dem deutschen nationalen Lager angeschlossen. In Maribor und Ptuj war so nicht nur die politische, sondern auch die wirtschaftliche Macht fest in den Händen der deutschen Bevölkerung. Obwohl die Deutschen in Ljubljana immer eher eine ausgesprochene Minderheit waren, sollen sie einen großen Teil der Krainer Wirtschaft kontrolliert haben.65 Ihre große wirtschaftliche Macht wäre jedoch ohne mehrere »ausländische« Aktiengesellschaften66 auf »slowenischem« nationalem Gebiet in der Tat um einiges geringer gewesen. Größere Unternehmen, die vorher entweder in »deutschen« oder sogar in »slowenischen« Händen (Fidelis Terpinc) waren, gelangten in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts aufgrund dringend erforderlicher wirtschaftlicher Entwicklungen in den mehrheitlichen Besitz ausländischer Aktionäre.67 Der slowenischen Nationalelite war es dabei vollkommen gleichgültig ob die slowenische Wirtschaft in den Händen einheimischer Fremder war oder ob sie sich Ausländer aus nichtslowenischen Ländern der Habsburgermonarchie oder gar Ausländer aus anderen europäischen Staaten angeeignet hatten. Die slowenische Nationalelite interessierte sich hauptsächlich für die Nationalität der Leitung und der Eigentümer. Waren diese Unternehmen nicht mehrheitlich in den Händen slowenischer (oder 66