Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)

Andrej Pančur: Eliten des Wirtschaftslebens im slowenischen Raum

in erster Linie Politiker und auch die Öffentlichkeit hat ihn als ein Mitglied der slowenischen politischen Elite betrachtet.29 Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Nationalitätenfrage in der Habsburgermonarchie immer mehr eine Frage der Politik wurde, verstärkte sich gleichzeitig auch der Eindruck, dass die engagierten Teile der slowenischen Natio­nalelite auch in der Politik aktiv sein müssten. Und gerade diese Vertreter der slowenischen Nationalelite beklagten sich darüber, dass die Slowenen kein aus­reichend starkes Besitzbürgertum hatten. Der slowenische liberale Schriftsteller und Publizist Fran Levstik (1831-1887) hatte so schon im Jahr 1868 betont, dass wir Slowenen nur ein Bildungsbürgertum (Lehrer, Geistliche, Ärzte, Beamte und Intellektuelle) sowie Bauern haben, doch fehlt es uns an Besitzbürgertum: »Hier, urteilen wir nach eigenen Erfahrungen, verbirgt sich das Hemmnis unseres Fort­schritts, der Mangel an [Besitz]Bürgertums ist unsere Achillesferse.«30 Nach zwei Jahrzehnten hat ein Autor in der liberalen Zeitschrift Slovenski narod ähnliches fest gestellt, dass »vor noch nicht langer Zeit, nicht nur alle größeren Gewerbebetriebe und Industrieunternehmen, sondern sogar Gewerbe und Geschäfte der allerbe­scheidensten Art in Händen von ausländischen Unternehmern waren.« Zwar hätte sich seiner Meinung nach in den letzten Jahren einiges verbessert und auch Slowe­nen begannen sich mit Gewerbe und Handel zu beschäftigen, jedoch seiner Mei­nung nach leider nur mit Kleingewerbe und Kleinhandel: »Größere Unternehmen sind immer noch ein Monopol der Ausländer.«31 Slowenen hatten demnach wenigsten einen gewissen Anteil an Besitzbürger­tum, insbesondere unter den Gewerbetreibenden und Kleinhändlern. Besonders während der slowenischen Wahlerfolge in der Stadtgemeinde und in der Handels­und Gewerbekammer haben sich slowenische Autoren daran erinnert, dass wir auch nationale, dies heißt sbwenische Händler und Gewerbetreibende haben.32 Je­doch waren diese Kleinhändler und Gewerbetreibenden wegen ihres relativ ge­ringen Vermögens nie wirklich eine echte Wirtschaftselite.33 Nach Meinung von Zeitgenossen konnten Slowenen in dieser Zeit keine wirklich großen Händler und Industrielle werden,34 die die eigentliche Grundlage der Wirtschaftselite eines Landes waren. Bis zum Untergang der Habsburgermonarchie bestand unter slowe­nischen Gebildeten die Überzeugung, dass die überwiegende Mehrheit von Groß­händlern und Industriellen in slowenischen Ländern keine Slowenen seien, son­dern Ausländer, besonders Deutsche und Italiener. Der slowenische Beamte und Publizist Fredo Kocevar hat so z.B. im Jahr 1872 festgestellt, dass die Mehrheit des slowenischen Großhandels, die Mehrheit unseres Erzreichtums und die Mehrheit unserer Industrie in den Händen von Ausländem ist.35 Bis in die siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts waren gerade Großhändler die unumstrittene Wirtschaftselite in den slowenischen Ländern, wobei Handel zwar ihr zentraler Wirkungsbereich war, dennoch beschäftigten sie sich gleichzeitig mit 61

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