Internationales Kulturhistorisches Symposion Mogersdorf 2007 in Kőszeg 3. bis 6. Juli 2007 (Szombathely, 2014)

Tobias Mindler: Die Medienelite des Burgenlandes. Zeitungslandschaft und Journalisten von 1921 bis 1945

Die Lebensgeschichte eines Journalisten - Fallbeispiel Gustav Koczor Abschließend soll das Beispiel der Lebensgeschichte einer journalistisch tätigen Person die vorhergehenden theoretischen Anmerkungen veranschaulichen. In al­ler Kürze sollen Ergebnisse von biographischen Forschungen zu Gustav Koczor dargestellt werden, der in der Zeit des Nationalsozialismus1 Karriere machte. Warum gerade Gustav Koczor an dieser Stelle ausgewählt wurde, hat mehrere Gründe:36 Erstens gibt es zu seiner Person eine verhältnismäßig gute Quellenlage, zweitens gibt es einen guten Zugang zu diesen Quellen, und drittens hat Koczor von allen Journalisten den größten Karrieresprung gemacht.37 Gustav Theophil Koczor entstammte ursprünglich bescheidenen Verhältnis­sen. Er wurde am 26. November 1909 in Güns/Köszeg geboren. Der Familienvater verstarb früh, und Gustav wurde von seinem Patenonkel, Superintendent Theophil Beyer, als Ziehsohn aufgenommen. So wuchs er in Oberschützen auf, wo er seine Ausbildung von der ersten Gymnasialklasse bis zum vierten Jahrgang der Lehrerbil­dungsanstalt erhielt. Später wollte Koczor den Beruf des Lehrers ergreifen. Er stu­dierte an den Universitäten Graz, Berlin und Wien Romanistik und Germanistik. Während seines Studiums hatte er - obwohl er von seinen Zieheltern nach Mög­lichkeit unterstützt wurde - immer wieder finanzielle Schwierigkeiten. Dieser Um­stand änderte sich erst nach der Machtergreifung im Jahre 1938, als Koczor eine politische Karriere machte. Von seiner politischen Einstellung her war Koczor schon sehr früh ein über­zeugter Anhänger von Deutschtum und Nationalsozialismus. Während seiner Stu­dienzeit in Graz boten sich erste Kontakte zu nationalsozialistischen Kreisen. Im Studienjahr 1929/30 war Koczor sogar Propagandaleiter des NSDStB38 der Univer­sität Graz. Am 1. September 1931 (also relativ früh) trat er mit der Mitgliedsnum­mer 611.180 der NSDAP39 in der Ortsgruppe Oberschützen bei. Von September 1931 bis 1935 war Koczor für die SA40 tätig, wobei er auch als Mitgründer der SA in Oberschützen auftrat. Ab 1937 gehörte er dann auch der SS41 an (Mitglieds­nummer 299.595). Während der „illegalen Zeit” war er journalistisch tätig und wurde mehrmals inhaftiert. Als am 15. März 1938 - also nur wenige Tage nach der nationalsozialistischen Machtergreifung - offiziell ein neuer burgenländischer Landtag ernannt wurde, gehörte diesem auch Gustav Koczor an, und zwar als „Gaupressechef’. Am 28. Mai 1938 wurde Gustav Koczor dann von Reichskommissar Gauleiter Bürckel zum kommissarischen Gauamtsleiter des Gau-Presseamts des Gaues Steiermark ernannt. Dieses Amt sollte ihm für einen längeren Zeitraum erhalten bleiben. Koczors Aufgabe lag in der Kontrolle aller Presseorgane, die in seinem Zuständigkeitsgebiet erschienen. Im Zuge dieser Tätigkeit war er auch für den Pressenachwuchs zuständig. 163

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