Ferenc József: Kleiner Unitarier-Spiegel. Kurzer inbegriff der geschichte, der dogmen, der kirchenverfassung und der ceremonien der unitarier-kirche (Bécs, 1879)

II. Dogmatik

44 Unitarier Spiegel. Abendmahl des Herrn wird von den Unitariern auch in hohen Ehren gehalten — und theils als Zeichen äuszerer Aufnahme in die christliche Kirche, theils als ein an Jesus des Herrn Tod erinnerndes heiliges Gastmahl freudigst ausgeübt; — ob­schon die Unitarier denselben keine Zauberkraft zumuthen. 7 .) Die Unitarier glauben endlich auch an die Unsterb­lichkeit der Seele und an des Geistes ewiges Leben, das sie gewöhnlich Auferstehung nennen ; — sie glauben an ein künftiges Leben, in welchem die Guten belohnt und die Bösen bestraft werden; — oder wie der heilige Schriftsteller sagt: „Der Lohn ihrer Th a ten folget ihnen.“ — Dieser Glaube musz indesz schon hier auf Erden seine Früchte dadurch bringen, dasz wir unser ganzes Leben dem gemäsz einrichten ; — dieses wird seiner Bestimmung nur daun ent­sprechen, wenn wir durch dasselbe Gott, den Herrn, jetzt und in aller Ewigkeit lobpreisen. Die Vorangeführten sind die cardinalen Grundsätze des unitarischen Glaubenssysthemes, deren vereinigendes Band nicht in deren einzelnen Worten, sondern in ihrem Geiste gesucht werden musz; — denn betreff der Worte vermag sich jeder Mensch verschieden ausdrücken; ja an ein und dasselbe Wort können die verschiedenen Menschen verschieden andere und wieder andere Begriffe knüpfen. — Beweis hiefür jene Confessionen und Glaubensformen — dann die Katechismen, welche zu verschiedenen Zeiten von verschiedenen Menschen geschrieben wurden. — Jesus, der Herr, hat ja schon ge­sagt , dasz : „der Buchstabe t ö d t e t, der Geist ist es, der belebet.“ Möglich ist es immerhin, dasz auch des unitarischen Glaubens Religionssysthem nur ein schwacher Schimmer- Strahl der Wahrheit ist; — aber es muthet auch die unita­rische Kirche sich selbst keine Unfehlbarkeit zu. Wir halten es mit dem Apostel Paulus und meinen nicht, das wir das Ziel bereits erreicht haben, oder dasz wir vollkommen wären ; — sondern bestreben uns auf der endlosen Laufbahn der Vervollkommennung von Tage zu Tage vorwärts zu gelangen.— Hierzu fordert uns auch Jesus, der Herr, auf — in dem er sagt: „Werdet vollkommen, wie Euer himmlischer Vater vollkommen ist.“

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