The Hungarian Student, 1958 (3. évfolyam, 1-2. szám)
1958-10-01 / 1. szám
wir für den Transport vom Bahnhof zum Gefängnis auf Gefangenenwagen verladen. Das Gefängnis von Strij ist beträchtlich kleiner als dasjenige von Ungvar: es faßt höchstens 1000 Häftlinge. Unser Tagesplan war gleich wie im Gefängnis von Ungvar, aber hier erhielten wir viel besseres Essen. Auch hier wurden wir verhört, und zwar ebenfalls ohne Anwendung körperlicher Gewalt; jedoch beherrschten sie die Methoden unmenschlicher Vergeltung ohne die Verwendung von Gummiknüppeln, wie wir herausfanden, als wir am 2. Dezember gegen unsere Verschleppung und gegen die Deportation ungarischer Frauen und Mädchen protestierten, indem wir während zwei Tagen den Himnusz, die ungarische Nationalhymne sangen. Darauf bekamen wir während der nächsten zwei Tage nichts als gesalzenen Fisch und überhaupt keine Flüssigkeit irgendwelcher Art. Ich glaube nicht, daß hiezu ein Kommentar nötig ist... Wir sahen keine Zeitungen und hörten auch keine Nachrichten. Mit unserer täglichen Tabakration erhielten wir aber ein oder zwei alte Zeitungsblätter und je nach der Gutartigkeit unserer Wächter stammten diese manchmal aus neueren Zeitungen. So kam die Novemberausgabe der Zakarnotsko Ukranskie Pravda in meine Hände, in der ein Artikel über die ungarischen Ereignisse uns über die «heldenmütigen Anstrengungen» der sowjetrussischen Truppen orientierte, die, von der ungarischen Regierung ins Land gerufen, den Widerstand der «konterrevolutionären Horden» - aus dem Westen kommenden, mit den modernsten Waffen ausgerüsteten Nazi-Sturmtrupps und -Schergen - niederschlugen. Der gleiche Artikel wußte auch zu berichten, daß die gefangenen faschistischen Terroristen bis zur endgültigen Niederschlagung der Konterrevolution und bis zum Abschluß der Untersuchungen über die einzelnen Fälle in russische Gefängnisse gebracht wurden. Aber noch interessanter und «objektiver» war ein für jugendliche Leser bestimmter Bildbericht der Malodzsa Pravda über das Blutvergießen in Budapest. Das Bild zeigte nach Angabe der Zeitung einen kleinen russischen Jungen, dessen Körper zerrissen, dann aus dem zweiten Stockwerk auf die Straße geworfen und dort von einem Tank der «faschistischen Banditen» zermalmt worden sei. Einer meiner Mitgefangenen und Zellengenossen, ein Freiheitskämpfer, der früher die Offiziersschule besuchte, erkannte das Bild als dasjenige jenes kleinen 25 Jungen, der - weil er eine Flasche Benzin in einen offenen russi-