Szemészet, 1985 (122. évfolyam, 1-4. szám)
1985 / 3. szám
Szemészet 122. 130—135. 1083. Mitteilung der Universitäts- Augenklinik (Direktor: Prof. Dr. med. H. Neubauer), Köln Zum klinischen Verlauf der exogenen Chalkose im menschlichen Auge H. NEUBAUER I. Einleitung Leber [5] hat im Jahre 1891 als Erster zur Aufklärung des Kupferschadens Tierexperimente unternommen. Ihm folgten viele andere Autoren. 1895 führte Goldzieher [4] die Bezeichnung Chalkosis ein. Wir wissen, dass der Ablauf der Chalkose multifaktoriell determiniert ist (Grad der mechanischen Schädigung beim Einschuss, Lokalisation, Grösse, Form des Fremdkörpers, korrosive Eigenschaften der Legierung und Verweildauer des Fremdkörpers im Auge). Die wechselnde Konstellation dieser Faktoren, vor allem die von Fall zu Fall nach Art und Ausmass verschiedene mechanische Verletzung, sind im Tierversuch nur sehr bedingt zu imitieren [6, 8, 10, 14—18]. Deswegen besteht die Gefahr, dass aus Tierexperimenten — ohne genaue Kenntnis eines grösseren klinischen Krankengutes — falsche Schlüsse gezogen werden [12, 13]. Wir versuchen, trotz der Vielgestaltigkeit der Verletzungsbefunde, der Interdependenz der Kausalfaktoren an einem klinischen Krankengut näherzukommen. Wir haben von 1958 bis 1979 352 kupferhaltige intraokulare Fremdkörper aus 321 Augen entfernt. In mehr als 90% gelangte der Fremdkörper durch eine Explosion in das Auge. Neben den Schäden, die das meist unregelmässig geformte Blechfragment beim Einschuss setzt, sind bei mindestens 20% der Augen nennenswerte Kontusionsschäden in Betracht zu ziehen. Mechanische Läsionen beeinflussen auch das Elektroretinogramm (ERG). Dennoch ist das ERG gegenwärtig der brauchbarste Massstab, wenn wir den Versuch machen, den Kupferschaden eines Auges zu erfassen. Freilich wissen wir, dass Kupferschäden anderer Augenteile, so vor allem des Glaskörpers, damit nicht eingeordnet werden können. Wir wollen versuchen, die Komplexität des Geschehens an 131 Augen zu demonstrieren, die elektroretinographisch untersucht wurden. II. Augen mit erloschenem ERG (n = 50) Bei 30% dieser Fälle befand sich der Fremdkörper länger als 1 Monat im Auge (16 Fälle). Davon haben wir eines mit 23jähriger Verweildauer unberücksichtigt gelassen. Dann ergibt sich eine mittlere Verweildauer von 315 Tagen. In 50% befand sich der Fremdkörper 8—31 Tage im Auge. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass in 20% (1—7 Tage) das ERG bereits nach Tagen erloschen war. Für alle 50 Augen liegt die mittlere Verweildauer der Fremdkörper bei 39 Tagen. III. Augen mit reduziertem (n = 42), oder normalem (n = 19) ERG Zunächst ist festzustellen, dass die Fremdkörper bei den 42 Augen mit reduziertem ERG im Durchschnitt etwa doppelt so gross waren, wie bei denen mit normalem ERG. Andererseits war die Verweildauer der Fremdkörper bei normalem ERG durchschnittlich doppelt so lang, wie bei reduziertem ERG. Das Gemeinsame beider Gruppen liegt darin, dass sie keine Sonnenblumenkatarakt und/oder perifovealen Kupferveränderungen zeigen. Herrn Professor Béla Alberth zum 60. Geburtstag gewidmet. 130