Szemészet, 1910 (47. évfolyam, 1-4. szám)

1910-05-08 / 1. szám

99 Was die Frequentation dieser Ordinationsstunden anbelangt, gestal­ten sich die Verhältnisse je nach den Wohnungs- und Gewerbsverhältnissen, Intelligenz, und den Gewohnheiten der Einwohnerschaft sehr verschieden. Die Verteilung der Bevölkerung in den Trachomgegenden ist sehr verschiedenartig. Im Tieflande, dessen Bevölkerung sich fast aus­schliesslich mit Ackerbau beschäftigt, sind in dieser Beziehung zwei Typen zu unterscheiden. Die Gemeinden liegen hier weit enfernt von einander, sind aber sehr gross. Die meisten darunter sind Dörfer mit mehreren Tausend Einwohnern, die mit wenigen Ausnahmen ständig im Dorfe selbst wohnen und sich höchstens während den sommerlichen Feldarbeiten auf einige Wochen in weiter entfernte Meierhöfe begeben, um ihrem Ackerfelde näher zu sein. In diesen Gemeinden geht die Be­handlung der Trachomkranken verhältnismässig am leichtesten vor sich, da die Kranken die Ordinationen des Gemeindearztes ohne besondere Miihe und Zeitverlust besuchen können. Schwieriger gestalten sich die Verhältnisse in den grösseren Ge­meinden und Städten der Tiefebene. Von den 20—100,000 Einwohnern solcher Gemeinden wohnt nur ungefähr die Hälfte in der Stadt selbst, die andere Hälfte lebt in den ringsumliegenden Bauergehöften, den so­genannten „tanya“ verstreut. Das Flächengebiet der zu diesen Städten gehörigen und mit diesen alleinstehenden Gehöften besetzten Landstrecken .beträgt 400—900 Quadratkilometer. Einige grössere Städte, z. B. Szeged, Szabadka haben mehrere „Ärzte für das Externgebiet“ angestellt, die in den einzelnen „Bezirken“ dieses Gebietes wohnend, den Sanitäts­dienst und somit auch die Behandlung der Trachomkranken versehen. Die in der Stadt selbst wohnenden Ärzte der kleineren Städten, die mit der Trachombehandlung vertraut sind, haben 10—20 Kilometer lange Wege zu fahren um jene Gehöfte zu erreichen, in welchen die Ordinationen abgehalten werden. Trotz dieser sanitären Einrichtungen wird eine systematische Bekämpfung des Trachoms durch ein derartiges Zerstreutsein der Wohnsitze ungemein erschwert, weil, wenn auch noch so viele Ordinationen im Externgebiete etabliert werden, können diese von den entlegener wohnenden Kranken nur schwierig, in mehreren Stunden erreicht werden. Natürlich verhindern diese Umstände die Trachomkranken besonders bei schlechter Witterung oder bei starker Arbeitszeit daran, dass sie sich regelmässig behandeln lassen. Der rege Handel mit Rohprodukten, der in diesen Städten sich immer mehr entwickelt, verspricht es, dass diesem Ubelstande mit der Zeit ab­geholfen wird: der Bauer besucht um seine Produkte zu verkaufen und andere Geschäfte abzuschliessen, immer häufiger die in der Stadt wöchentlich 2—4-mal abgehaltenen Märkte, bei welcher Gelegenheit er ■—• wenn trachomkrank — auch die Ordinationen für Augenkranke immer mehr in Anspruch nimmt. Im gebirgigen Oberungarn sind die Gemeinden viel zahlreicher, aber auch kleiner; die Einwohnerzahl beschränkt sich zumeist auf einige Hundert bis 1000—2000 Seelen. In diesen Gegenden ist es hauptsächlich der Arzt, dem die Behandlung der Trachomkranken grosse Mühe ver­ursacht, da er an Behandlungstagen mehrere entlegene Gemeinden häufig auf schlechten Gebirgswegen besuchen muss. Das „Gehöft-Sy Stern“ ist hier seltener vertreten, wo es aber vorhanden ist, erschwert es die Behand­lung noch mehr, wie im Tieflande, da der Verkehr mit diesen auf hohen

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