Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die FJusftellung. Das Reh ift in mehr oder weniger zahlreichem Vorkommen faft durch alle Waldungen der Länder verbreitet; Schwarzwild lebt in leidlichen Ständen befonders im Kreife Sarajevo, ift aber auch in den Kreifen Travnik, Tuzla, Moftar und Bibac zu finden. In früheren Zeiten beherbergte Bosnien auch den Hirfcb, wie vereinzelte Geweibfunde bezeugen. Heute kommt er als Standwild nicht mehr vor. In den legten Jahren find einzelne Stücke Rotwild aus den flawoni­fcben Revieren über die Save nach Nordbosnien eingewechselt, konnten fich aber, trotjdem zu ihrer Schonung entfprechende Verfügungen getroffen worden find, nicht erhalten. Überall, wo Feldbau betrieben wird, kommen Hafe, Rebbuhn und Wachtel vor und die kahlen Fels­balden der Karftgebiete Bos­niens und der Herzegowina werden vom Steinbuhne in reicher Zahl bewohnt. Hafelwild findet ficb über alle geeigneten Waldgebiete der Länder verbreitet. Beffer find in bevorzugten Lagen die Stände von Auer- und Birkwild. Wo beide Waldbüb­nerarten gemeinfame Standorte haben, findet fich auch ihr Kreuzungsprodukt, das Rackel-­wild, vor. Der Herbft bringt jährlich in großer Menge die Waldfchnepfe, die bis Anfang Diorama: Utovo blato. Pavillon »Bosnien und Herzegowina«. November in Bosnien weilt, dann aber mit den eintretenden Nordwinden weiter zieht. Ein­zelne Stücke überwintern auch in den warmen Lagen der Her­zegowina. Die ftärkfte Raubwildart ift der Bär, der über faft alle Waldgebiete verbreitet, aller­dings an Zahl etwas abgenom­men bat, bin und wieder aber noch immer zum Schuffe gelangt. Der Wolf kommt in ganz Bosnien und der Herzegowina noch ziemlich häufig vor, doch haben die fcbon feit dem Jahre 1880 durchgeführten Vertilgungsmaßnahmen den Stand diefes Raubwildes bereits fo vermindert, daß die Zahl der zur Taglienbemeffung eingelieferten Wolfsfelle, die z. B. im Jahre 1885 noch 1057 Stück betrug, im Jahre 1909 auf die Ziffer von 297 Exemplaren berabgeiunken ift. Die beträchtliche Abnahme diefes Raubtieres ift demnach deutlich erficbtlich. Der Fuchs, Dachs und Iltis fowie Wiefel und Steinmarder finden ficb überall, der Edelmarder allent­halben in gefcbloffenem Waldgebiete vor. Von gefiederten Räubern muß zuerft der noch ziemlich häufig vorkommende Steinadler, dann die meiften in Mitteleuropa lebenden übrigen Adler, Falken, Buffarde, Weihen und Milane genannt werden. Selten find hier die Kaiferadler und der Raucbfußbuffard. Der Bartgeier ift leider faft verfchwunden, dafür finden fich der Weißkopf- und Kuttengeier wie auch der ägyptifcbe Aasgeier noch verhältnismäßig häufig vor. Der eingeborene Jäger jagt faft ausnahmslos mit der Bracke, während die Sucbjagd mit geführten Vorftehbunden erft feit der Okkupation im Lande bekannt wurde. In den beftehenden ftaatlicben Wildfcbongebieten, die eine Fläche von rund 250.000 Hektar umfaffen, ift die Jagd gegen Erlag feftgefetjter Taxen nach Bewilligung des k. u. k. gemeinfamen Finanzminifteriums zu­läffig. Seit einer Reibe von Jahren wird in jedem Herbft aus verfebiedenen Jägerkreifen um Bewilligung von Wild­abfchüffeneingefchritten. Die Hauptwildarten find dafelbft das Gems- und Schwarzwild. Die Qualität bos­nifcb - herzegowinifcher Trophäen bat die Aus­heilung in ausgiebiger Weife dargetan. Die dort zur Schau geftelltenReb­gebörne, Gemskrücken und Ganzpräparate ha­ben die volle Bewun­derung der Befcbauer Diorama: Bär von Wölfen bedrängt. Pavillon »Bosnien und Herzegowina«. erweckt und dem bos­nifchen Wilde einen ehrenvollen Plat} in der jagdlichen Fauna Europas gefiebert. Kynologifcbe Ver­anftaltungen haben bis­her im Lande noch nicht ftattgefunden, wie hier faft ausnahmslos die Hundezucht erft in ihren Anfangsftadien fich be­findet, d. b. daß der ein­beimifebe Jäger, ohne Körperbau und Raffe zu berückficbtigen, zumeift bloß auf Leiftung züchtet, indem er gut jagende Bracken miteinander kreuzt. Das Pferd fpielt im bosnifeb-berzegowinifeben Jagdbetriebe infoferne keine fportliche Rolle, als es bloß als Beförderungsmittel entweder vor dem Wagen oder unter dem Sattel benütst wird. Bei dem Mangel an Kommunikationen und der häufig weltfernen Lage der Reviere kann aber nur ein fo ausgezeichneter, genüg­famer und ftablbarter Pferdefcblag, wie es der bosnifebe ift, jene bewunderungswürdigen Leiftungen voll­führen, die hierbei von ihm verlangt werden. Aus früher angeführten Gründen können die Wecbfelbeziebungen der Jagd zur Kunft und In­duftrie, den Gewerben ufw. in Bosnien und der Herzegowina noch keine fo innigen fein, wie dies 72

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