Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die Husftellung. Es erübrigt nocb des zweiten Objektes Erwähnung zu tun: der Norwegifchen Jagdbütte. Diefelbe war in ibrer äußeren Form, nocb mebr aber in ihrer Inneneinrichtung fo anheimelnd und apart, daß wir es uns nicht verfagen können, fie in Kürze zu befprecben und hierbei an die Schilderung des alten nor­wegifchen Bauernbaufes anzuknüpfen, deffen Nachbildung fie war. Die älteften norwegifchen Häufer, die fogenannten »flarestuer«, waren kleine, febr primitiv eingerichtete Wobnbäufer mit bloß einem Ge­fcboß. Sie enthielten einen großen und einen kleineren Raum — außen einen offenen Söller. Der Fußboden beftand aus Lehm; die Wände battenkeineFenfter.Mitten auf dem Boden war die offene Feuerftätte »Haren« angebracht. Der Rauch fand feinen Weg ins Freie durch eine Öffnung im Dache, »Ljören« genannt, durch welche bei gutem Wetter auch das Tageslicht die Stube beleuch­ten konnte. Alles Holzwerk war ftark dimenfioniert und forgfältig bearbeitet. Die Balken der Wände wurden mit übergreifenden En­den aufeinandergelegt und dann Notwegifcber Elcbbund, Scbwarzbund. nach einer Linie, die bei den ein­zelnen Häufern verfcbieden ver­lief, gekürzt, die Fugen zwifcben jeder Balkenlage mit Moos ge­dichtet. Starke, runde, querüber gelegte Balken trugen das Bret­terdach und die auf demfelben aufliegende Dacbdeckung. Die Bauart war fomit eine recht pri­mitive, die ficb im Wefen von jener unterer Blockbäufer nicht unterfchied. Dennoch fcbenkte man von jeher der Hußenaus­fcbmückung volle Beachtung, wo­bei vor allem die Pfoften, Türen, Windbretter und Giebelfpitjen eine dekorative Behandlung durch bunten Hnftricb und Kerbfcbnitt­verzierungen erfuhren. Entfprechend der Fiußenausftattung war auch das Inventar diefer Häufer einfach und befcbeiden. Bänke längs der Wände und ein langer Tifcb machten das wefentlicbe aus. Mit der Zeit verän­derte ficb das Innere vor allem dadurch, daß die Feuerftätte nach einer Ecke abgerückt und allmählich zu einem Herde (Peis) mit eigenem Raucbabzug umgeftaltet worden ift. Das Raucblocb wurde überflüffig und, da das Glas nunmehr auch feit langer Zeit zur Verfügung ftand, bekam die neue Stube, »Peifeftuen« (Herd­ftube) genannt, ein anderes Husfeben. Die Jagdbütte auf der JagdausfteUung war aus norwegifcbem Material erbaut, das, in der Heimat her­gerichtet und zufammengeftellt, in Wien bloß wieder zufammengefügt worden ift. Wie ihr Außeres, fo war auch ihr Inneres im altnorwegifcben Telemarkftil gehalten, jedoch mit dem zeit­gemäßen Komfort aus­geftattet, den auch der Jäger zu fcbätjen weiß. In dem Wohnzimmer ftan­den die beiden typifcben Eckfcbränke, mit reicbge­fcbnitjten, jagdlichen Or­namenten geziert. Sie hat­ten oben und unten Türen, während der Mittelraum für verfcbiedene Trink­börner, Trinkkannen und andere derartige Ge­braucbsgegenftände von befonderem Werte frei blieb, fin der Wand ftand der große »Framskab«, ein reich mit allerlei Tafel­gerät befetjterBüfettfcbrank. Die Wand gegenüber ließ den Raum frei für die »Langbank« mit dem »Hoch­Notwegifcber Elcbbund, Graubund. fit}« — dem vornebmften Plat) im Haufe, der dem Hausvater vorbehalten bleibt und den er der Über­lieferung gemäß nur dem Landesvater einräumt. Ober der Bank ein fcbön gearbeitetes Wandbrett mitkünftlerifchgefcbnititen Holzgefäßen und Gerä­ten, wie »Ölbollen, Öl= tröifen, Grödamben, Kjen­ger, Stöp« (Gefäße für Aufbewahrung von Bier, Brei, Milch ufw.). Die Wand darunter war mit »Raklaeden«, bandgeweb­ten, bunten Decken aus bausgefärbter Wolle be­kleidet, deren Herftel­lung einen blühenden Zweig des norwegifchen Hausgewerbes bildet. Ober den Türen der Schlafzimmer waren wiederum gefchnitjte Wandbretter mit Bier­kannen »Faerderskrin« u. a. angebracht; zwifcben den Türen ftand der »Buftebufet«, ein kleiner Schrank für Bürften u. dgl. mit darunter hängenden gefcbmackvoll geftickten Handtüchern. Die Fenfter, mit den darüber befindlichen gefcbnit)ten Regalen für Tafelgeräte und anderes, waren mit bandgewebten, buntgeftreiften Gardinen verhängt. Der fonftige Schmuck der Wände beftand aus alten Erzeugniffen der Hausinduftrie, ferner aus Jagdtropbäen wie Elcbfcbaufeln, Renntiergeweiben. Weiters fab man moderne Jagdausrüftungsgegenftände, Ruckfäcke, Fern 8 1. Teil. 57

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