Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die FJusftellung. kommt; fonft beherbergen diefen merkwürdigen Nager in der alten Welt noch die Rhone, Sümpfe in Ruffifch--Polen und einige Elfe in Schweden und Norwegen. Das Zimmer rechts vom Treppenhaufe war nur ein kleiner Raum; aber er enthielt eine Fülle hochintereffanter und wertvoller Gegenftände. Zuerft zwei große Schränke, angefüllt mit dem berrlicbften Altmeißener Porzellan, wahre Kabinettftücke aus den Jahren 1740 bis 1750; ein wundervolles Jagd-­fervice, Vafen mit Jagd-- und Tierdarftellungen, Tiergruppen und andere auf das Weidwerk bezügliche Figuren fowie zwei herrliche aus Silber getriebene Jagdbumpen, Danziger Arbeit um 1700. in einer großen Vitrine lagen reichverzierte Jagdgewehre, Hirfchfänger, Pulverflafcben, Weidbeftecke aus dem Befitj des Kaifers und des Großberzogs von Mecklenburg--Schwerin ; jedes Stück ein Kunftwerk aus der beften Zeit des deutfcben Kunftgewerbes. Zwei Humpen aus alter Zeit fielen befonders auf: die »goldene Sau von Kandern«, vom Markgrafen Georg Friedrich von Baden 1605 als »Willkomm« für die Gäfte auf dem Jagdfchloffe Kandern geftiftet, Eigentum des großberzoglicb badifcben Forftamtes Kandern, und der »Silberne Hirfcb von Wismar« im Befit)e des großberzoglicben Mufeums in Schwerin. Rite, in ihrer Art einzig daftebende Ölgemälde fcbmückten die Wände: Landgraf Ludwig VIII. von Heffen-Darmftadt in einem von fecbs Hirfcben gezogenen Wagen; Jagdfcbloß Moritjburg; der le^te 1755 in Oftpreußen erlegte Wifent. Sehens­wert war auch eine Zufammenftellung alter Waffen aus dem Befitj des Königs von Württemberg. Darunter find befonders hervorzuheben die kleinen Hirfcblanzen mit Knebel, die nur am württem-­bergifcben Hofe (an Stelle des Hirfcbfängers) in Gebrauch waren. Eine Schnur mit tief herabhängenden Jagdlappen trennte den Raum von dem zweiten fäcbfifchen Saal, der wiederum durch breite Flügeltüren mit dem weit nach rückwärts vorfpringenden, großen Moritjburger Speifefaal und mit dem Lefezimmer an der Hauptfront in Verbindung ftand. Durch eine kleine Tür links unter der Galerie betrat der Befucher von dem neben dem Treppenbaus gelegenen Zimmer den imponierendften Raum des ganzen Gebäudes, den Moritjburger Saal, eine im Maßftab von 2 :3 getreu durchgeführte Kopie des Originals. Fin der Türwand befand fich in halber Höbe eine Galerie; die zahlreichen Fenfter an den beiden Längsfeiten und an der Stirnwand waren in zwei Reiben übereinander angebracht. Die gefamte Einrichtung des Saales aus der Mori^burg war hierher übertragen, die mit antiken Lederpreffungen bezogenen Stühle, die von Eber von Hunden gedeckt. fllt»Meißen, etwa 1740, aus dem Befitje des Herrn k. u. k. Generalkonfuls G. von Klemperer, Dresden. Deutfcbes Jagdfcbloß. Die goldene Sau von Kandern.« Deutfcbes Jagdfcbloß. Sammlern als ganz unfcbä^bar be­zeichnet werden, mit inbegriffen. Ab­gefehen von Krügen, Kannen, Tellern, Leuchtern und Ölgemälden waren in dem Saale Hirfcbgeweibe zur Deko­rierung der Wände verwendet worden, die Fachleute und Laien verblüfften. 27 Geweihe auf prachtvollen, in Holz gefcbnitjten Hirfchköpfen aus dem XVIII. Jahrhundert, meift 24= und 32--Ender, die im XVI., XVII. und XVIII. Jabrbun= dert von den fäcbfifchen Kurfürften gefammelt worden find. Die Geweihe übertreffen an Höbe, Stärke und Auslage bei weitem alle Trophäen aus neuerer Zeit, fo insbefondere zwei auf vergoldeten Köpfen montierte 18--Ender, die an den Pfeilern der Galerie angebracht waren. Ein Scbau-­ftück erften Ranges war der in Silber getriebene und zum Teil vergoldete Auerhahn auf dem langen Speifetifcb. Silberner Jagdbumpen. Danziger Arbeit aus dem Befitje des Herrn k. u. k. Generalkonfuls G. von Klemperer, Dresden. Deutfcbes Jagdfcbloß. Würdig fchloß fich der zweite fäcbfifcbe Saal dem erften an. Nur Dresden konnte einen folcben Raum mit folcb erlefenen Sachen aus­ftatten. Alles, was an jagdlichen Kunft-­fcbätjen die Moritjburg, das biftorifcbe Mufeum und die Gewebrgalerie in Dresden beigefteuert hatten, war in den beiden fäcbfifchen Sälen durch Profeffor Dr. Haenel vom königlich biftorifcben Mufeum mit künftleri= fcbem Gefchmack zur Ausftellung gebracht. Das modern eingerichtete Lefe-­zimmer barg die rund 300 Bände umfaffende Bibliothek, die eine Aus-­lefe von in den legten 25 Jahren bei deutfcben, öfterreichifchen und ruffifchen Verlagsanftalten erfcbiene-­nen Werken jagdlichen Inhaltes ent-­bielt. Kroener, von Stenglin, Friefe, Gaul, Pfretjfchner, Tuaillon, Vordermayr, Vallentin u. a. hatten für diefen Raum Bronzen und Ölgemälde beigeftellt. 53

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