Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die Husftellung. 6* 43 Das näcbfte Objekt war der Gewerbeförderungs-Pavillon des Erzherzogtumes Öfterreich unter der Enns. Die ftetig zunehmenden Schwierigkeiten, unter welchen das Kleingewerbe angeficbts der Umwandlung der Betriebsformen in der Erzeugung und Verwertung von Gütern den Kampf um feine Exiftenz zu führen gezwungen ift, haben die Behörden beftimmt, durch Anwendung entfprechender Maßnahmen dem Niedergange desfelben entgegenzuwirken. Vor allem fab fich der Staat im legten Dezennium des abgelaufenen Jahr­hunderts veranlaßt, eine Gewerbeförderungsaktion einzuleiten. Im Zuge derfelben wurden tecbnifcbe Mufter­einricbtungen gefcbaffen und Vereinigungen von Kleingewerbetreibenden als Vorbilder zugänglich gemacht, weiter Fach-, Erwerbs- und Wirtfcbaftsgenoffenfchaften aller Art, wie Robftoff-, Werks- und Magazinsgenoffen» fcbaften gegründet und mit tecbnifcben Bebelfen gegen langfriftige, unverzinsliche Darleben ausgeftattet. Da jedoch die Mittel des Staate: zu diefenÜberlaffungen nicb ausreichten, ift an die Län der wegen Gewährung voi Beiträgen herangetreten unc folcber Art das Intereffe füi die Gewerbeförderung aud bei den autonomen Landes bebörden geweckt worden Die rapide Entwicklung, wel che bald darauf die Gewer beförderung erfahren bat führte dann dazu, die Unter ftütjung aus Steuergelden nicht allein auf Mafcbinen abgaben zu befcbränken, fon dern auch Werksgebäude Wafferkräfte und Betriebs kapitalien beizuftellen, welch difcben als auch auf dem Weltmarkte Plat3 gegriffen bat. Anderfeits wurde, um den Gewerbetreibenden die Beteiligung an dem internationalen Wettbewerbe zu ermöglichen, dem Ausftellungswefen befondere Auf» merkfamkeit zugewendet. Der erfte Verfucb in diefer Richtung ift anläßlich der Internationalen Ausftellung »Das Kind« in St. Peters­burg im Jahre 1904 gemacht und im größeren Umfange bei der »Öfterreicbifcben Ausftellung in London« im Jabre 1906 wiederholt worden. Im Jahre 1908 hat fich die Gewerbeförderungsaktion des Landes Niederöfter» reicb in gleicher Weife an der Jubiläums-Modeausftellung in Wien beteiligt und bat, als hierauf im Jahre 1910 die »Erfte Internationale Jagdausftellung« in den Kreifen der Wiener Gewerbetreibenden lebhaften Anklang fand, auch bei diefem Anlaffe ein Eingreifen in größerem Stile in Ausficbt genommen. Es ift aus Mitteln des nieder» öfterreicbifcben Gewerbeförderungskredites ein eigenes Ausftellungsgebäude errichtet und vollftändig ausgeftattet worden, in welchem 470 Gewerbetreibende mit ihren Erzeugniffen untergebracht worden find. Der Pavillon, nach Entwürfen des Architekten Profeffor Otto Prutfcber-Wien erbaut, beftand aus einem monumental durchgebildeten Mittelbau mit zwei rechts und links fich an denielben anfcbließenden Seitenbauten in fein abgetöntem Weiß mit imitiertem Patinadacb. Dem Gebäude war eine geräumige Terraffe vorgelagert, zu der man über eine große, von zwei majeftätifcben Löwen des Bildbauers Nikolaus Stadler flankierte Freitreppe gelangte. Zu beiden Seiten der Terraffe ftanden auf Poftamenten je zwei mit Blumen gefüllte Kunftfteinvafen, neben den beiden Seiteneingängen vier nach den Entwürfen des Pro» feffors Otto Prutfcber ausgeführte Majolikavafen. Rings um den Pavillon waren in Kübeln und Spalieren Blumen und Scblinggewäcbfe verteilt; auf der Terraffe zur Benützung der Ausftellungsbefucber Korbgarnituren nach den Entwürfen des Architekten Jofef Merkl aufgeftellt. Das reich ornamentierte Portal krönte das Wappen des Erz­herzogtumes Öfterreicb unter der Enns, um welches fich die Wappen der im Pavillon aus­feilenden Genoffenfcbaften gruppierten. Den oberen Teil des Haupteinganges fcbloffen zwei figurale, den »Fortfehritt« verfinnlicbende Darftellungen ab. Über die Terraffe gelangte man zuerft in den Raum mit Bildern aus Sommer­frifeben, Kurorten und Touriftenftationen, ausgefeilt vom Landesverbände für Fremden­verkehr in Öfterreicb unter der Enns und Wien. Die Wände mit weißer Holztäfelung und einem eingelegten Fries aus Montafoner Steinplatten trugen Landeswappen in Glasmofaik, darüber ein Glasfenfter mit allegorifcheti Darftellungen nach Entwürfen des akademifeben Malers Remigius Geyling. Löwe, von Bildhauer N. Stadler. letzterer 1 eil der bewerbe­förderung den Ländern zur Gänze überlaffen blieb. In weiterer Folge haben die Länder und darunter in erfter Linie das Erzherzog­tum Öfterreich unter der Enns die Förderung des Abfatjes gewerblicher Er­zeugniffe ins Auge gefaßt. Es find den gewerblichen Vereinigungen zunäcbft Lie­ferungen für öffentliche Zwecke zugewiefen worden, während nach Maßgabe der Ausgeftaltung des Genoffen» febaffswefens die Verwer­tung gewerblicher Erzeug­niffe fowobl auf dem inlän-

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