Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die Fíus ítellung. Englifche Jagdfchloß der Firma Sigmund Jaray. Der Errichtung diefes Husftellungsgebäudes lag die Idee zugrunde, die Nebeneinanderwirkung von Interieurs in einem wohnlich und künftlerifch gebauten Haufe zu zeigen. Der Stil des Gebäudes, außen wie innen, war der der englifcben Renaiffance des XVI. und XVII. Jahrhunderts mit Aus­nahme von zwei Räumen im erften Stock, welche dem XVIII. Jahrhundert angehörten. Durch eine kleine Vorballe, in der eine große, gefcbni^te, bocblebnige Bank ftand, betrat man die durch zwei Stockwerke gebende Halle, welche den Hauptraum des Gebäudes bildete. Zwei große Öffnungen ließen den Blick einerfeits in die vier Stufen erhöhte Bibliothek, anderfeits in den Salon frei. Die Halle mit in Eiche vertäfelten Wänden und ebenfolcber Decke war im Stil »Königin Elifabetb« gehalten. Das Hauptftück bildete ein monumentaler, faft 5 Meter breiter Kamin. Das große Fenfter war mit alten, wertvollen Malereien verglaft, während die Möbel, welche verfchiedenen Renaiffanceperioden angehör­ten, den Eindruck hervorriefen, als ob ein kunftfinniger Sammler fein fukzeffive erwor­benes Mobiliar hier zufammengetragen hätte. Der Bibliotbeksrauin fcbloß mit einer halbkreisförmigen Fenfterwand, welche gleichfalls kunftvolle Glasmalereien aufwies, ab. Die Wände, teilweife noch mit gotifcben Finklängen, waren reich bis zur Decke gefchnitjt, die Bücberfcbränke in die Vertäfelung eingelaffen. Das Speifezimmer gehörte der Stuart-Epoche an. Die Decke, ein Stuckplafond in reicher Gliederung, war ebenfo wie die Wände nach Vorbildern aus dem Soutbkenfington-Mufeum gearbeitet. Die Fenfterwand bildete einen Erker, um welchen Sitjplä^e berumliefen. Vis-ä-vis war ein Steinkamin in die Holzwand eingelaffen, darüber reiche Scbnitjereien aus der biblifcben Gefcbicbte. Die Möbel felbft mit dem fpezififcb . englifcben, reicbgefcbnitjten Docken beftanden aus einem großen, teilweife gefcbloffenen Schrank, einer langen, offenen Servante, einem fchweren Tifcb und mit rotem Samt bezogenen Seffeln. Der Salon im Stile »William and Mary«, gleichfalls bis zur Decke, je­doch diesmal in antik patiniertem Nußbolz getäfelt, trug einen gewölb­ten, reich gegliederten Plafond mit reichen religiöfen Darftellungen; über dem Marmorkamin ein Bilderauffatj; auf der Vis-ä-vis-Wand ein großer eingelaffener Gobelin. Grüne Damaft­portieren, Vorhänge und fcbön ge­färbte Teppiche gaben diefem ionft ernften Räume die heitere Note. Die Hauptfit}gelegenbeit um den Kamin zeichnete fich durch ihren Bezug in Petitpoints und intereffante Zeich­nung aus­Eine Treppe führte in die obere Hatle, deren Wandfcbmuck bauptfäcb­licb Jagdtropbäen bildeten. In der Mitte ftand ein fcbwerer italienifcber Tifcb mit 4 paffenden Fauteuils. Das Schlafzimmer, im Stil »Hdam«, erhielt ftuckartig bergeftellte Wände, um die ein breiter Fries aus bedrucktem Toile lief, welcher Stoff auch die Bezüge für die gebauchten, mit Hmboinabolz 37 Portal des Englifcben jagdfchloffes der Firma Sigmund Jaray. Speifefaal im Englifcben Jagdfcbloß der Firma Sigmund Jaray.

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