Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat
Der Führer durch die Husftellung. ausftellung hervorheben, die fowohl wegen der Fülle der ausgeftellten Objekte als auch des Umftandes halber, daß iie eine blühende Induftrie einer einzigen Provinzftadt repräfentierte, um fo mehr genannt zu werden ver= dient, als ihre Leiftungen durchaus achtungsgebietende find. Es ift dies die Ferlacber Gewehrinduftrie (Kärnten), die durch 21 Firmen vertreten war und an die 300 Gewehre aller Syfteme ausftellte. Anfcbließend daran muß der vom Staate in Ferlacb begründeten Anftalten gedacht werden, die auf die Entwickluug der öfterreichifchen Waffeninduftrie nicht ohne Einfluß geblieben find. Wir meinen die k. k. Fachfchule für Gewehrinduftrie mit ihren Abteilungen für Büchfenmacher, Schäfter und Graveure und die k. k. Probieranftalt für Handfeuerwaffen. Erftere brachte Objekte, die den Lehrgang und die Leiftungen der Schüler veranfchaulichten, letztere Apparate für die ftaatlichen Befcbußproben. Allgemeines Intereffe weckte weiters die Darftellung der Erzeugung von Tiegelgußftahl, von Gewehr* läufen und einzelnen Beftandteilen in verfchiedenen Fabrikationsftadien, welche die Böhlerwerke zur Expo* fition brachten, dann eine Kollektion von Armeegewebren verfchiedener Modelle, Mafchinengewehre des in Öfterreich eingeführten Syftems »Schwarzlofe« u. a. m. der öfterreichifchen Waffenfabriksgefellfcbaft in Steyr. An der Peripherie des Aus» ftellungsterritoriums, feitwärts vom Pavillon für Jagdwaffen, errichtete der Klub der Wiener Brieftaubenzüchter fein Brieftaubenhaus, das wegen feiner muftergiltigen Einrichtung und des gefälligen Aus= fehens bei den Fachleuten und dem großen Publikum Anerkennung fand. Es wurde mit 126 jungen Tauben befetjt, von denen 48 Stück nach entfprechender Trainierung bei dem am 9. Oktober 1910 ab Schärding veranftalteten Wettfluge die in der Luftlinie 235 Kilometer lange Strecke in 2 Stunden 46 Minuten durchflogen. Gelegentlich des Befuches Sr. Majeftät des Kaifers Franz Jofepb I. .. . .. , , Ferlacber Gewehrinduftrie. Pavillon -laqdwaffen». am 16. Juni 1910 veranftaltete der Klub vom Taubenhaus aus einen Huldigungswettflug, zu dem 1241 Brieftauben freigelaffen worden find, welche nach mehrmaligem Umkreifen des Auflaßplatjes in die Richtung ihrer heimatlichen Schläge abflogen — ein impofanter Anblick, der auf die Zufcbauer nicht ohne Eindruck blieb. Der keramifche Pavillon war einerfeits vom Pavillon für Jagdwaffen, anderfeits vom Gebäude der Expofitur der Feuerwehr und der Rettungsgefellfchaft flankiert. Ihm gegenüber lag das Südportal der Rotunde. Vier rein jagdliche Sonderausftellungen in derfelben und zwar jene des Fürften Max Egon zu Fürftenberg, des Freiherrn Philipp von Haas-Teichen, der Herren Rudolf R. v. Gutmann und Ernft R. v. Weffely müfien zunächft hervorgehoben werden. Sonderausftellung des Fürften zu Fürftenberg. Es mochte wohl vielen Befuchern diefer Sonderausftellung aufgefallen fein, daß in derfelben das jagd* und kulturhiftorifche Moment in den Vordergrund trat, dagegen der moderne Jagdbetrieb faft ftiefmütterlich bedacht blieb. Es lag dies in den Intentionen des fürftlichen Ausftellers, der dem Umftand Rechnung tragen wollte, daß vorausfichtlich die meiften Ausfteller darin wetteifern werden, den Teil der modernen Jagd, insbefondere was Trophäen, Erzeugniffe der Kunft und des Kunftgewerbes anbelangt, in hervorragender Weife zu befcbicken, während dies hinfichtlich des retrofpektiven Teiles nicht anzunehmen war. Es bat fonach ftillfcbweigend eine Art Arbeitsteilung und Spezialifierung ftattgefunden, gewiß nicht zum Nachteile der Gefamtausftellung felbft! Das Programm: im fchlichten Rahmen, ohne jeden äußeren Prunk, die Jagdgefcbicbte der fürftlichen Domäne Pürglit) während der let}tverfloffenen Jahrhunderte, foweit die vorhandenen Mufeal- und Archivbelege zurückreichen, zur Schau zu bringen, wurde mit großer Gewiffenbaftigkeit befolgt und zur Ausführung gebracht. 5 I. Teil. 33