Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

I. TEIL. Der Führer durch die Ausstellung. Von Dr. Adolf Stengl, k. k. Forstrat

Der Führer durch die Fíus ítellung. des Herakles, dann Liebenweins »Die Jagd der Amazonen«, Panneaux von Harlfinger, König und Friedrich hervorzuheben find. Die genannte Vereinigung hat auch nach Entwürfen des Architekten R. Oerley den anftoßenden Garten arcbitektonifcb ausgeftaltet und darin Plaftiken von Gornik: »Tiger-Liebespaar« in Gips, und Müllner: »Der Kampf« in Bronze zur Expofition gebracht. Saal XVII vereinte Werke ausfcbließlicb franzöfifcber Künftler, die fich fo zahlreich an der Husftellung beteiligten, daß ihnen ein befonderer Raum zugewiefen werden konnte. Hier wären befonders hervorzu­heben: Himé Morots »Rückkehr von der Löwenjagd« fowie ausgezeichnete Porträts von demfelben Meifter, dann »Die Meute« von Doignean, Porträts von Bonnat, Jaquet und Hbbema, Jagdfzenen von Lecourtier, Borchart, Buffon, Géróme, Cboquet, überdies eine Hnzabl vorzüglicher Plaftiken, wie »Hundemeute an einem Baume« von Cain, »Jagdbund« von Monard und »Ruffifcher Windbund« von Tbomas-Soyer, »Hirfcb und Tier« von Gardet, »Jagender Panther« von Peyrol, »Verwundeter Löwe« von Valton ufw. Der letjte Raum (XVIII), von der Genoffenfchaft der bildenden Künftler Wiens befcbickt, war zu einem Garten­falon in weißem Lackholz und gelbweißer Cretonbefpannung ausgeftaltet, in dem 6 Temperabilder in die Wände eingelaffen waren. Sie ftammten aus dem Atelier Oswald Grills und ftellten Motive aus den Jagdgebieten Sr. Majeftät des Kaifers Franz Jofepb I. dar. Tecbnifcb intereffant gemalt, paßten fie fich vorzüglich der bellen, fonnigen Raumwirkung an. Hier war auch eine Reibe gelungener Kleinplaftiken von Gornik, Jarl, Koch u. a. untergebracht. Keramifcher Pavillon. In der Achte der Kaiferallee, gegenüber dem Haupteingange, ftand das Aus­ftellungsobjekt der öfterreicbifcben Baukeramik. Die Hufgabe, welche hier der Architekt Hans Prutfcber zu löfen hatte, beftand darin, einerfeits das farbenreiche Fliefenmaterial barmonifcb zu einem effektvollen Ganzen zu vereinen, anderfeits aber für deffen vielieitige Verwendung, ungeachtet des räumlich befcbränkten Bauplanes, genügende Möglichkeiten zu fcbaffen. Über einem oktogonalen Einbau mit einem vielgegliederten Dache erhob fich ein in eine Laterne mit niederem Kuppelknauf auslaufender fcblanker Turm. Der Raum unter demfelben war zu einer Halle mit Nebenräumen ausgeftaltet, während an der Außenfeite in Nifcben fecbs Interieurs eingebaut worden find. Alle ausnutjbaren Dach-, Wand-- und Bodenfläcben, von der Turmkuppel bis zum Bodenbelag, erhielten eine Verkleidung aus keramifcben Erzeugniffen. Im Innern waren Räume gefchaffen, die in glänzenden Farben prangten und mit präch­tigen Bildern und Friefen in Keramikmalerei, Plaftiken und Hochreliefs ge= fcbmückt waren. Den Zufammenbang mit der Jagdausftellung vermittelten jagdliche Motive und Staffagen. In den äußeren Interieurs wurde dagegen die Verwendung der Produkte der Kera­mik für Utilitätsräume, wie Fifcbballen, Laboratorien, Krankenfäle, Heilbäder ufw. vorgeführt und gezeigt, wie diefes vom Gefichtspunkte der Reinlichkeit und Hygiene unübertroffene Material auch im Hinblick auf ein gefälliges Ausleben allen Anforderungen zu genügen vermag. Um den Bau lief eine Terraffe, die verfcbiedene Mufter von Bodenbelagmaterial enthielt. Mit den hier zu einem Ganzen vereinigten Ausfiel­lungsobjekten war bezweckt, dem Befcbauer einerfeits den Stand der Entwicklung der Jagdwaffentechnik über­haupt, anderfeits aber die Leiftungsfäbigkeit der öfter­reicbifcben Induftrie auf diefem Gebiete zu zeigen. Der Erfolg diefer reichbefcbickten, mit Gefcbmack arrangierten Sonderausftellung, deren Heim nach Entwürfen des Cbef-Arcbitekten der Ausftellung, k. k. Baurat Alexander Décíey, erbaut wurde, kann nach beiden Riebtungen als durchaus gelungen bezeichnet werden. Was an modernen Jagdwaffenfyftemen beute von praktifeber Bedeutung ift, war hier vertreten, während die Qualität des Gebotenen in bezug auf Material und Ausführung auch den Anfprucbvollften zu befriedigen imftande war. Im übrigen aber konnte fich der Befcbauer die Überzeugung verfebaffen, daß er im Inlande das Erwünfcbte in einer tadellofen Qualität erkaufen kann, ohne hierbei hohe Preife anlegen zu müffen. An der Ausftellung beteiligten fich die meiften hervorragenden öfterreicbifcben Fabrikanten und Bücbfen­macber, deren jeder bemüht war, neben den gangbaren Gewebrfyftemen auch feine eigenen Spezialitäten vor­zuführen. Wir müffen uns vertagen, hier auf einzelne Firmen einzugeben und möchten nur eine Kollektiv­32 Pavillon -Keramik«. Pavillon: Jagdwaffen. Pavillon »Keramik«. Innenraum.

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