Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - III. ABSCHNITT. Die Jagd in ihren Beziehungen zu Handel und Verkehr, zu Industrie, Kunst und Gewerbe
Die Kunit und das Kunítgewerbe. Als feine Nachfolger auf diefem Gebiete find Franz Snyders und etwas fpäter Jan Fyt zu nennen, die ficb mit großer Begabung der Tier- und Jagdmalerei widmeten, fluch Karl Rutbarts und der treffliche Darfteller des Geflügels — Jan Welnix — gehören hierher! Sie alle haben ficb die Schilderung des Tierlebens und die Darftellung von Jagdfzenen zu Vorwürfen genommen und bierin Hervorragendes geleiftet. Und fo wie diefe in Gemälden, fo war es Jobann Elias Ridinger mit feinen unübertroffenen Kupferfticben, in welchen er verfcbiedene Momente von Jagderlebniffen oder von auf die Jagd Bezug habenden Ereigniffen feftbielt und einzig meifterbaft zur flnfcbauung brachte. Einzelne Werke diefer vorgenannten großen Künftler waren in unferer Ausftellung — in der retrofpektiven Abteilung im Kunftpavillon — zu feben und es ift dies ein deutlicher Beweis, daß mit dem Auftreten diefer Männer jenes eigentliche und tatfäcblicbe Intereffe in der Künftlerfcbaft für die Darftellung jagdlicher Motive erwacht war, das nunmehr zu immer öfter wiederkehrender Anwendung Gelegenheit bot. Im XIX. Jahrhunderte dann, als die Kunft nicht mehr wie bisher nur ein Luxusartikel der vornehmen Kreife und ein ausfcbließlicber Genuß für die höher Gebildeten war, fondern die lebendige Sprache des ganzen Volkes, Waldmüller. Es foll nur auf die wobl muftergiltigen Gemälde »Der Rüdenmeifter« von Canon, »Diana, einen Faun fcbießen lehrend«, von Makart und die »Raft nach der Jagd« von Waldmüller verwiefen fein, welch herrliche Werke wir fo glücklich waren, in der fcbon erwähnten retrofpektiven Kunftausftellung zu Geficbt zubekommen. Weiters find Gauermann, Paul Mayerbeim, Ranftl, Werner, Tamm und Fr. Volz und als bervorragendfte Spezialiften die Brüder Hamilton zu nennen. Bei den Franzofen ift es vor allen Horace Vernet mit feinen leidenfcbaftlicb bewegten Tierkämpfen, dann Brascaffat, Troyon und als eine der beften in den Reiben der Schilderet des Waldes und feiner Bewohner Rofa Bonbeur; in der Schweiz Rudolf Koller mit feiner feinen Cbarakteriftik und energifcben Naturwahrbeit, der Belgier Eugen Verboeckboven in Brüffel; von den Holländern de Haas mit feinen naturgetreuen, kräftig gemalten Tierftücken, fowie Knytenbrouwer mit feinen Jagdfzenen; in England ftebt der vielfeitige Landfeer, der als Tiermaler durch geiftreicbe Beobachtung, feinfte Cbarakteriftik und unübertreffliche Lebendigkeit des Ausdruckes feinesgleichen fucht an der Spitje, während in Schweden beute noch der unbeftritten als einer der bedeutendften Jagdmaler anerkannte Ljliefors Werke fchafft, die das Herz eines jeden Weidmannes höher fcblagen machen und in der Einfachheit der Darftellung und Klarheit des Ausdruckes wobl wenig Ebenbürtiges erflehen laffen! Und um fcbließlicb von den letjten Jahren zu fprecben, mögen hier aus der nun fcbon recht ftattlicb gewordenen Zahl der Tier- und Jagdmaler einige Namen von Künftlern genannt fein, die — weil noch der Gegenwart angehörend — die Gefcbicbte erft fpäter unter die Koryphäen aufnehmen wird, unter die Männer, die befonderes auf dem Gebiete ihres Wirkens gefcbaffen. Es fei vorerft der großen deutfcben Meifter, eines Richard Friefe, Wilhelm Kuhnert, Paul Leuteriö, Guido von Maffei und Scbmitjberger gedacht und fcbließlicb aus den Reiben der Öfterreicber einer herausgegriffen, der, fraglos einzig in feiner Art, unübertroffen in der Fülle jener herrlichen Meifterwerke daftebt, die fein Pinfel und fein Griffel gefcbaffen — ich meine unferen Altmeifter Franz von Paufinger, den Schöpfer jener Unmenge von Gemälden und befonders Koblenzeicbnungen, deren Natur wahrlich wohl unerreicht geblieben bis zum beutigen Tage! — Was Paufinger in präcbtigfter Feinbeituns vor Augen führt, das lebt und zaubert uns den Wald in feiner majeftätifcben Ruhe, aber aucb in der Herrlichkeit feines Lebens vor die Seele — ein Bild des wabrften, wirklicbften Seins und Treibens ! den Gefamtbegriff feiner An= fcbauungen, feiner Ideen und Intereffen darftellte, da wurden es — bei allen Nationen aucb immer mehr die Künftler, die ficb für die Verwertung der Jagd bei der Schaffung ihrer Werke intereffierten; in der Plaftik fowobl wie aucb in der Malerei. Es feien hier nur — ohne Anfprucb auf Vollftändigkeit — die bedeutendften Namen genannt, und zwar jener Künftler, die ficb — wenn auch nicht ausfcbließlicb — fo doch vielfach oder mindeftens gerne mit der Darfteilung von Jagdtieren, ganzen Jagdfzenen oder mit der Jagd in mehr oder weniger nahem Zufammenhange flehenden Begebenheiten und Landfcbaftsbildern befaßten und in diefem Fache entweder als ganz befondere Kapazitäten oder gerade wegen der Pflege auch diefer Kunftricbtung bierin als große Meifter gelten. Es find dies Canon, Makart, dann Franz von Paufinger: »Bartgams.« (Aus der Poftkartenferie -Weidmannsheil-, Verlag H. Kerber, Salzburg.) 20* 155