Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - III. ABSCHNITT. Die Jagd in ihren Beziehungen zu Handel und Verkehr, zu Industrie, Kunst und Gewerbe

Die modernen Jagdwaffen. Weniger ftark vertreten waren jene in den legten Jahren fo ungemein beliebt gewordenen Klein­bücbscben oder Scbonzeitbücbfen. fluch in diefer Type ift Peteriongo Spezialift, ebenfo wie im Deutfcben Reiche die bekannte Firma Sauer & Sohn in Suhl, die denn auch eine Anzahl ihrer berühmten, außerordentlich präzis fcbießenden Tellbücbscben zur Schau ftellte. Die Husftellung bat untere Waffeninduftrie auf einer nicht nur erfreulieben, fondern wirklieb achtung­gebietenden Höbe gezeigt. Eigentlich bedürfte fie nicht einmal eines Zollfchutjes, denn franzöfifche und belgifcbe Ware kann fie beute nicht mehr febädigen und der englifche Import ift nicht zu fürchten. Steht untere öfterreiebifebe Induftrie auch in mancher Beziehung hinter der des Deutfcben Reiches zurück, und das zu­zugefteben gebietet uns die Gerechtigkeit, fo liegt die Schuld weder am toten noch am lebendigen Material, fondern an unferen, den deutfcben leider nicht ebenbürtigen Treibmitteln. Das neue raucbfcbwache Bücbfen­pulver Nr. III, welches im Vorjahre herausgegeben wurde, dürfte allerdings mehr Leben in den Betrieb bringen. Diefes Pulver zeichnet fich, feit es nicht mehr von Hand, fondern mafcbinell bergeftellt wird, durch geringe atmofpbärifcbe Drucke und febr günftige Vergafung aus. Damit ift auch die Schwelle einer neuen Ära überfebritten. Soll untere vaterländifebe Induftrie jenes Niveau erreichen, welches ihr tatfächlicb zukommt und welches ihr eigentlich von Natur aus beftimmt ift, fo bedarf fie unausgefetjter Förderung und Belehrung, gewiffer­maßen einer fpannenden Feder, einer Zentrale. Deutfcbland befitjt zwei Hocbfcbulen der Jagdwaffenkunde, die beiden Verfucbsanftalten für Handfeuerwaffen zu Neumannswalde und Halenfee. Dort ift der Keim zu fruebtverbeißender Blüte gelegt worden. Die Gründung einer foleben Finftalt auf öfterreichifcbem Boden würde die beimifebe Induftrie kräftiger fördern und ausgiebiger febütjen als der böcbfte Schu^zollfat). Aller­dings dürfte eine folebe Zentrale nicht nach einer Stätte verlegt werden, an welcher fich zahlreiche Innungs­befliffene zu einer febarf begrenzten Gruppe zufammengefcbloffen haben; folebe Einfeitigkeit wäre gegen die Gerechtigkeit. Der richtige Boden wäre fraglos die Reicbsbauptftadt, fcbon mit Rückficbt auf die Facbpreffe, an welche fich ja eine Verfucbsanftalt, die der Jagd dient, notwendigerweife anlehnen muß. Im Prinzipe bedeutet die Verbefferung und Vervollkommnung der Jagdwaffe doch Wildfcbutj und Unterftüt3ung der auf menfcblicbem Fühlen beruhenden Weidgerecbtigkeit. In diefem Sinne follte fie auch verftanden und ausgenütjt werden. Nicht als Söldnerin blinder Vernicbtungswut darf die unheimliche Fern­kraft der modernen Bücbfe aufgefaßt werden, fondern als treue Freundin des auf das Wohl feines Wildes bedachten Jägers, die es ihm ermöglicht, das richtige Stück zu rechter Zeit vom Befa^e wegzuernten, ohne das todgeweihte Tier zu peinigen — fich felbft zur Freude und dem Reviere zum Gedeihen !

Next

/
Oldalképek
Tartalom