Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - III. ABSCHNITT. Die Jagd in ihren Beziehungen zu Handel und Verkehr, zu Industrie, Kunst und Gewerbe
Die modernen Jagdwaffen. großen Beliebtheit erfreute, war nur zur Jagd auf Kleinwild beftimmt ; die Scbußpräzifion und die Ausführung waren im Vergleich zum fehr geringen Preife ganz hervorragend. Später brachte die berühmte amerikanifcbe Firma zwei ftärkere Modelle heraus, die aber auch für die ernfte Jagdpraxis nicht genügten. Dagegen läßt ficb das Modell 351 für eine mittelkräftige 9 Millimetermunition gegen Rebwild ganz gut verwenden. Die automatifcbe Browningbücbfe entfpricbt den hohen Anforderungen des verwöhnten modernen Weidmanns in noch erböbterem Maße; aber die vollkommenfte automatifcbe Bücbfe ift jedenfalls die von Maufer-Oberndorf vor kurzer Zeit konftruierte 15fcbüffige Waffe, die einen Gebrauch als Selbftlader, als gewöhnliche Repetierbücbfe und als Einzellader geftattet, außerdem aber aucb je nach Belieben des Schüben mit einem 5-, 10- oder 15fchüffigen Magazin verfeben werden kann. Diefe Waffe, die übrigens noch nicht in den Handel gebracht worden ift, verfeuert die außerordentlich ftarke 8 Millimetermunition, welcher ficb Se. Majeftät der deutfcbe Kaifer mit Vorliebe bedient, mit 800 Meterfekunden Anfangsgefcbwindigkeit und dem bekannten S-Gefcboß. Es kann aber nicht geleugnet werden, daß ein wirkliebes, ein fühlbares Bedürfnis nach foleben Waffen eigentlich nicht befteht, denn felbft untere beftbefetjten Reviere können mit einer guten Doppelbüchfe oder einer normalen Repetierwaffe ausreichend befeboffen werden. Die Vorteile der automatifeben Waffe find in ihrer gefteigerten Feuergefebwindigkeit und etwa noch in der Abfcbwäcbung des Rückftoßes zu fueben, Momente, die für den Strategen wichtig fein mögen. Aller Wabrfcheinlicbkeit nach werden wir Öfterreicher in Bälde mit dem Danaergefcbenk einer automatifeben Mannlicberbücbfe bedacht werden. So wird die Erhaltung des europäifcben Gleichgewichtes dem Wilde zum Unheil. Wenn aucb die Browningflinte, der man hohe Scbußleiftung und Solidität unbedingt zubilligen muß, der Doppelflinte immer mehr Terrain abgewinnt, fo kann fie doch noch nicht als wirklich populäre Waffe bezeichnet werden; viele fcbreckt das bedeutende Gewicht ab, welches das neue Modell Kaliber 16 allerdings nicht mehr befitjt, M ärmlicher» Schöriauerbüchie. manche können ficb mit dem wenig anziehenden Ausfeben der Browningbücbfe niebtbefreunden, andere wieder halten es aus treuer Anhänglichkeit mit der Doppelflinte und verfebmäben die hoben Erfolgcbancen, die in dem Automaten ftecken. Es ift ein Glück, nicht nur für die Wildbabn, fondern aucb für die beimifebe Induftrie, die gerade in den legten Jahren einen fo erfreulichen Auffcbwung genommen bat, daß der Import zweifelhafter belgifcber Fabriksware, wie er früher dem vaterländifeben Handwerk gefährliche Konkurrenz machte, nun immer mehr in Abnahme begriffen ift. Dagegen bat die öfterreiebifebe Induftrie engere Fühlung mit der ihr nahe verwandten des Deutfcben Reiches genommen, und es läßt ficb hoffen, daß diefes gefunde Verhältnis eines Tages durch volle gegenfeitige Anerkennung der Befcbußftempel gekrönt wird. Jeder tüchtige deutfcbe oder öfterreiebifebe Biichfenmacber ift beute febr wobl imftande, eine Flinte zu bauen, die es an Scbußleiftung und Solidität der Ausführung mit den vielgepriefenen englifeben Waffen aufnimmt, mit dem Unterfcbiede, daß felbft unfere allererften Firmen für eine ganz erftklaffige Flinte mit Auswerfer und der überhaupt erreichbaren Höcbftleiftung niemals den Preis verlangen werden, den man bei Purdey, Lancafter oder Greener für eine Flinte mittlerer Qualität zu zahlen gewohnt ift. Der deutfcbe Weidmann ift eben eine fparfame Kundfcbaft; für 1000 Kronen erhielte er eine Flinte inländifcben Fabrikates, die überhaupt kaum mehr zu überbieten wäre, aber er nennt den Preis von 600 Kronen fcbon einen hoben und verlangt dafür eine Waffe, die es der britifeben 2400 Kronenflinte zumindeft gleichtut, und er erhält fie auch. Zumal in bezug auf unfer Laufmaterial find wir den Engländern mehr als ebenbürtig. Bekanntlich wird Damaft fo gut wie gar nicht mehr zu Gewebrläufen verarbeitet, böcbftens auf befonderes Verlangen. Selbft die billigeren inländifcben Stablforten — Deutfcbland darf in diefem Betrachte wobl als Mitinland gelten, da die öfterreiebifebe moderne Waffeninduftrie doch vielfach im klaffifeben Suhl in die Schule gegangen ift _ übertreffen die feinften Damafte der Gewerke von Neffonvaux bedeutend an Haltbarkeit und Widerftandsfäbigkeit, was befonders bei Verwendung nitröfer Treibmittel zum Ausdruck kommt. Den böcbften Rang unter den fogenannten Edelftablen nimmt wobl der Exzelfiorftabl der Wittener Werke ein, dann folgen in gleicher Höbe der Kruppfcbe Spezialftabl und der Ehrhardt-Stahl, während unfer noch immer febr guter Böblerftabl, der ja aucb zu den Edelftablen zählt, ficb mit jenen Marken nicht meffen kann. Bei einer vor einiger Zeit abgehaltenen Prüfung vor Unparteilichen zeigte ficb, daß ein erftklaffiger Damaftlauf (Bernard) bei einer Ladung von 15 Gramm Scbwarzpulver und 60 Gramm Schrot barft; ein in allen Dimenfionen und im Kaliber gleicher Böblerftabllauf bog und beulte ficb bei einer Steigerung der Ladung auf 20 Gramm Pulver und 80 Gramm Schrot, die aucb einen Lauf aus Kruppfcbem Spezialftabl zum Biegen brachte. Bei 20 Gramm Pulver und 90 Gramm Schrot platte der Böblerlauf, der Lauf aus Spezialftabl bog 149