Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - III. ABSCHNITT. Die Jagd in ihren Beziehungen zu Handel und Verkehr, zu Industrie, Kunst und Gewerbe

Die Induftrie und das Gewerbe in ibren Beziehungen zur Jagd. Die Summen, welche durch Erbauung von Jagdfchlöffern größeren Stiles, von Jagd- und Jägerbäufern, bis herab zur einfachen Jagdhütte mit ibren Einricbtungsgegenftänden zum Umfat} gelangen, können wobl nicht annähernd feftgeietjt werden; eine jährliche Durcbfcbnittsziffer von 2 bis 3 Millionen Kronen ift gewiß keine zu hohe. Speziell aus der Jägerei hervorgegangen und ausfcbließlicb auf ihre Ergebniffe angewiefen, ift die Der­matoplaftik ; fie ift fo recht ein Kind der Jägerei zu nennen, denn noch ehe es einen gewerbsmäßigen Betrieb diefer Art gab, waren es Jäger, welche zuerft zur eigenen Befriedi­gung ein feltenes Wild, eine koftbare Trophäe zu präparieren lernten und dies zum Schmucke für ihr Heim und zur bleibenden Erinnerung an kluge und fiebere Führung ihrer Waffe und an köftlicbe Stunden, die ihnen die Ausübung ihres Berufes fo lieb und wert gemacht bat. So können es auch nur Jäger gewefen fein, die fpäterbin das Prä­parieren von Tieren gewerksmäßig zu betreiben begannen, wobei ihnen die Kenntnis der Wald und Feld bevölkernden Gefcböpfe behufs mög­liebft getreuer Wiedergabe derfelben in hohem Grade nützlich war. Heute ift die Dermatoplaftik ein in allen Ländern ausgebreitetes Ge­werbe und mit Befriedigung kann auf einzelne Repräfentanten hinge­Jägerhäuschen im Wildpark. wiefen werden, deren Leiftungen weit über jene eines einfachen Gewerbes hinausgeben. In den Lebrmittelfammlungen unferer Schulen bilden die ausge­topften Tiere ein anfchauliches und unentbehrliches Requifit und in man­chem jungen Herzen mag beim An­blicke diefer lebensvollen Darftellungen die Freude an der Natur und ihrer Tierwelt erwacht fein. Die ganze große Gilde der Weid­männer liebt es, ihre Behaufung mit den von ihren Jagdzügen heimge­brachten Beuteftücken, mit präparier­ten Tieren und Trophäen zu fcbmücken. — Und in der Tat können unfere prächtigen Herrenfitze, fowie das bür­gerliche Jagdbaus, das Förfterbaus, wie die Jägerhütte keinen eigenarti­geren und entfpreebenderen Schmuck aufweifen. Wir finden aucb außerdem diefe Art der Ausfcbmückung vermöge des Intereffes, welches der Gegenftand erweckt, und nicht zulegt wegen feiner prächtigen dekorativen Wirkung häufig in den ftädtifeben Wohnungen wie in Landbäufern vieler Jagd- und Tierfreunde und ebenfo in öffentlichen Lokalen angewendet. Diefe vielfache und weit verbreitete Verwendung der Tierpräparate und Trophäen trägt dazu bei, der mit der Bearbeitung derfelben ficb befaffenden Dermatoplaftik, beziebungsweife dem mit der Adjuftierung und Montierung der Trophäen befebäftigten Gewerbe reichen Verdienft zu febaffen. In unterem jagdlich fo febr begünftigtem Vaterlande befebäftigen diefe Berufszweige viele Hunderte in reichlicher und lohnender Weife. Jagdergebniffe einer ganzen Reibe von Gewerben und von Induftrie­zweigen ein nicht unwefentlicbes, häufig fogar das bauptfäcblicbfte Material für die Herftellung ihrer Erzeugniffe liefern. Die hieraus jährlich produ­zierten Waren müffen zumindeft auf l 1 2 bis 2 Millionen Kronen veranfcblagt werden. Wenn im vorftebenden und zwar nur lückenhaft anfebaulieb zu machen veriuebt wurde, welche reiche Menge wertvoller Robpro­dukte die Ausübung der Jagd unterem wirtfcbaftlicben Leben zu­führt, welch vielfache gewerbliche und induftrielle Tätigkeit ihrer Nutzbarmachung und Verarbeitung dient, fo foll nun aucb jener zabllofen Bedarfsartikel, die der erfprießlieben Ausübung der Jagd notwendig und förderlich find, und der mit deren Herftellung befebäftigten Gewerbe fowie Induftriezweige gedacht werden. An erfter Stelle ift hier wobl die Induftrie für Schuß- und Blankwaffen zu nennen. Die Sitze der erfteren find Steyr in Oberöfterreicb, Ferlacb in Kärnten und Weypert in Böhmen; der letzteren Nixdorf in Böhmen, dann ebenfalls Steyr und Wien. Trotzdem die Waffeninduftrie in Öfterreich ohne Zweifel hochentwickelt zu nennen ift und ihre Erzeug­niffe im Auslande auch entfpreebende Würdigung erfahren, werden doch Flinten- und Büchfenläufe, welche in den Werkftätten der beimifcben Bücbfenmacher als Halbfabrikate für die Herftellung ihrer Erzeugniffe Der Umfatz an Präparaten und einfeblägigen Objekten kann ficher­licb mit 1 bis 1' s Millionen Kronen jährlich veranfcblagt werden. In welch mannigfaltiger Weife gerade die Jagd das Kunftgewerbe und zwar ganz hervorragend be­einflußt, erbellt aus dem Um­ftande, daß Plaftik aus Stein und Bronze, Holz und Beinfcbnitzerei, keramifebe und Toninduftrie in ungezählten reizenden Formen und Motiven ihre Ideen aus dem Gebiete der Jagd und ihrer Aus­übung feböpfen. Wir feben alfo, daß auch die Nebenprodukte der beimifcben Damwildgtuppe. Ungarifches Jagdfcbloß. 144

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