Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - III. ABSCHNITT. Die Jagd in ihren Beziehungen zu Handel und Verkehr, zu Industrie, Kunst und Gewerbe
Der Handel und der Verkehr in ihren Beziehungen zur Jagd. recht günftiges Ergebnis zu verzeichnen, da im Jahre 1910 die bis dabin böcbfte Befucbsziffer der in Wien eingetroffenen Fremden erreicht wurde. Nach den Hufzeichnungen des genannten Vereines find im Jahre 1910 insgeiamt 603.884, um 80.536 mehr Fremde als im Jahre 1909, in den Wiener Hotels abgeftiegen. Von den 469.651 Staatsangehörigen der Monarchie waren 356.739 ( -64.741) aus Öfterreicb, 101.913 (+ 8124) aus Ungarn, 2875 (+442) aus Bosnien. Von den 134.233 (+ 7229) Ausländern entfallen auf Deutfcbland 53.793, Rußland 25.253, Amerika 9648, Rumänien 9364, Frankreich 6737, England 5566, Italien 4237, Türkei 3802, Serbien 3050, Schweiz 2902, Bulgarien 2826, Belgien 1375, Holland 1083, Afien 1047, Schweden und Norwegen 887, Afrika 689, Dänemark 545, Griechenland 540, Spanien 457, Montenegro 203, Portugal 128, Auftralien 101. Die größte Zunahme zeigt Deutfcbland mit 2395, Amerika mit 1523, Rußland mit 1498 und Rumänien mit 613, die größte Abnahme Italien mit 183, Schweden mit 84, Frankreich und Dänemark mit je 82 Perfonen. In dem über den Fremdenverkehr in Wien 1910 veröffentlichten Berichte des kaiferl. Rates S. Lehr wird unter den namentlich die Belebung des Inländerverkebrs fördernden Urfacben für Wien fpeziell die Internationale Jagdausftellung als eine bedeutende Veranftaltung hervorgehoben. In den Kreifen der Wiener Hotel- und Penfionsbefitjer wird der Erfolg der Jagdausftellung für die Hebung des Fremdenverkehres hoch bewertet. Sie waren bemüht, den Fremden das Befte zu bieten und kamen trotj mancher für die gute Sache gebrachten Opfer auf ihre Rechnung. Sie erklären fich durch das Ergebnis befriedigt und erwarten, daß der Erfolg in bezug auf die Förderung des Fremdenverkehres ein dauernd nachwirkender fein werde. Viele Ausländer, welche Wien anläßlieb der Jagdausftellung zum erften Male befuebten, feien mit Unterkunft und Verpflegung fo zufrieden gewefen, daß fie ficberlicb wiederkommen würden, um die Sehenswürdigkeiten und Attraktionen Wiens noch öfter zu genießen. Zur Abrundung des Umriffes, den die vorftebenden Ausführungen über den eigenen Verkehr der Jagdausftellung und die durch fie veranlaßte Verkebrsbewegung zu geben verfuebten, ift noch hinzuzufügen, daß den öfterreiebifeben Gewerbetreibenden und Angefteliten durch das Ausftellungsunternebmen der Gefamtbetrag von 8,085.000 Kronen zugefloffen ift, wovon auf die Ausgaben der Ausftellungskommiffion 3,985.000 Kronen und auf die von den Fremdftaaten, fowie von den Induftriellen und Gewerbetreibenden für ihre Beteiligung an der Ausftellung verausgabten Beträge zufammen 4,100.000 Kronen entfallen. Diefer beträchtliche Geldumfat} ift zum großen Teile den verkehrsfördernden Wirkungen zuzufebreiben, welche von der Jagdausftellung direkt oder indirekt den Anftoß empfangen und diefen an die beimifchen Verkehrsanftalten in Geftalt erhöhter Perfonen- und Güterfrequenz weitergeleitet haben, deren Nut}en in erfter Linie dem Staate als Unternehmer der Mehrzahl der in Wien einmündenden Hauptbahnen zugute kam. Es ift ein weit ausgedehntes Gebiet von Erfcbeinungen und Tatfacben, welche die nunmehr am Schluffe angelangte Darftellung, wenn auch nur flüchtig und brucbftückweife, in Betracht zu ziehen hatte. Es reicht von den exotifeben Jagdausfliigen der Fürften und Millionäre bis zur leichteren Ernährung des kleinen Mannes, von den Koftbarkeiten im Pavillon für Pelzverwertung bis zu den 20 Heller-Fabrkarten der Wiener ftädtifeben Straßenbahn. Gar vieles ift in dem Getriebe des Verkehrs und Handels, foweit fie fich auf die Jagd bezieben, noch unfieber und unfaßbar. Auch hier gleichwie auf den verwandten Gebieten des wirtfcbaftlicben Lebens im Zufammenbange mit dem Weidwerk, feiner Pflege und feinen Rückwirkungen fehlt zu klarer Erkenntnis noch gar manches, zumal die genaue Ziffer. Noch fteht der Beobachter hier vielfach Erfcbeinungen gegenüber, deren wirkende Urfacben fieb dem Blicke entziehen. Um fo begreiflieber ift das Beftreben, den Schleier zu lüften, der auf diefem wichtigen Gebiete die inneren Beziehungen verbirgt, und durch Feftftellung des Tatfacbenmateriales die Möglichkeit wiffenfchaftlicber Erkenntnis anzubahnen, die allein den Leitftern für die praktifeben Maßnahmen zur Erhaltung vorhandener Werte und zur gründlichen Behebung erkannter Übelftände bietet. Dem Verftändniffe diefes Zufammenbanges die Wege geebnet, es in weiteren Kreifen verbreitet und zu feiner Förderung eine Reibe wertvoller Unterlagen gefebaffen zu haben, ift ein hohes und bleibendes Verdienft der Jagdausftellung und der mit ihr verbundenen facbwiffenfcbaftlicben Kongreffe — ein Erfolg, der als intellektuelle Tat den übrigen, rückbaltslos anzuerkennenden Leiftungen des Unternehmens ebenbürtig zur Seite fleht. Mögen die Baufteine, welche die Jagdausftellung gefammelt und im Roben vorbebauen bat, fich zufammenfi'igen zu dem feften Gebäude allgemeiner Erkenntnis der hohen wirtfcbaftlicben, kulturellen und etbifeben Bedeutung der Jagd, dabei unvergeffen ihre Wichtigkeit für Verkehr und Handel ! Der Erfüllung diefes Wunfcbes ein kräftiges Weidmanns Heil! 18 II. Teil. 137