Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - III. ABSCHNITT. Die Jagd in ihren Beziehungen zu Handel und Verkehr, zu Industrie, Kunst und Gewerbe
Der Handel und der Verkehr in ihren Beziehungen zur Jagd. Munition. Auch in diefer Hinficbt hat die Jagdausftellung eine reiche Auslefe von den in-und ausländifchen Induftrieerzeugniffen, die nur zum Teil in der ein eigenes Gebäude füllenden Spezialausftellung der Jagdwaffen vereinigt waren, zur Anfcbauung gebracht. Die Bedeutung der hochentwickelten beimifcben Erzeugung von Jagd- und Luxusgewebren der verfcbiedenften, die neueften Fortfcbritte der Technik verwertenden Syfteme mit der überwiegenden Tendenz der Fortbildung unterer muftergiltigen Typen ift durch die Ausftellung klar hervorgetreten. Die Hauptfifte diefer Induftrie — Wien, Prag, Weipert und Ferlacb — haben auch bei diefem Anlaffe den wohlerworbenen Ruf der Tüchtigkeit und Eleganz ihrer Erzeugniffe in gewohntem hoben Maße bewährt. Anhaltspunkte binficbtlicb des Umfanges der Produktion in den genannten Induftriegebieten und des Verkehrs mit ausländifchen Erzeugniffen, die vor ihrem Vertriebe der Erprobung in inländifcben Probieranftalten unterzogen werden müffen, find aus den in der amtlichen Statiftik veröffentlichten Daten über die Erprobung von Gewebrläufen und Handfeuerwaffen zu entnehmen. Hiernach find für das Jahr 1909 folgende Erprobungen ausgewiefen: Einfache Läufe Doppelläufe Wien .... 3.451 468 Prag .... 913 385 Weipert . . . 2.237 1.081 Ferlacb . . . 22.577 10.025 Gewehre Für rauchlofes Pulver 36.339 24.888 2.723 536 2.315 804 17.551 2.196 Zufammen . 29.178 11.959 58.928 28.424 Die für die vorgenommenen Erprobungen einfcbließlich des Einfcbießens eingebobenen Taxen beliefen fieb auf 25.512 Kronen. im Jahre 1910 wurden in den k. k. Probieranftalten 62.367 Stück fertige Handfeuerwaffen geprobt. In diefer Zahl find jedoch auch die zur Probe verpflichteten Gewehre deutfeher Herkunft und außerdem die in Steyr erzeugten automatifeben Piftolen inbegriffen. Der Import von Gewebren aus Deutfcbland und Belgien umfaßte im Jabre 1909 266 Meterzentner im Werte von 798.000 Kronen, im Jahre 1910 413 Meterzentner im Werte von 1,239.000 Kronen. Berechnet man den Durcbfcbnittspreis eines nach Öfterreich importierten Gewehres mit 200 Kronen, fo entfallen rund 15 Gewehre pro Meterzentner, fohin auf den Import nach Öfterreicb im Jabre 1909 eine Stückzahl von 4190 und im Jabre 1910 eine folebe von 6195. Die gefamte Jabreserzeugung von Gewebren in Öfterreicb wird von berufener faebmännifeber Seite auf rund 20.000 Stück im Werte von 40 Millionen Kronen gefcbätjt. In diefer Gefamtzabl ift auch die Produktion feitens der kleinen Bücbfenmacber inbegriffen, welche jährlich je 10 bis 12 Stück Gewehre zu febr billigen Preifen berftellen und fich bauptfäcblicb mit Reparaturarbeiten befaffen. Vorftebende Statiftik ift nach dankenswerten Mitteilungen des Leiters des k. k. öfterreiebifeben Handelsmufeums Herrn Sektionsrat Dr. Karminski aufgeftellt. Die Erzeugung der zum Gebrauche der Jagdwaffen nötigen Munition wird bierlands teils von der ftaatlicben Monopolsverwaltung felbft ausgeübt, welche die fertigen Patronen zum Verfchleiß bringt, teils von Gefcbäftsleuten und Privaten beforgt, welche die Füllung der von der Privatinduftrie gelieferten Patronenbülfen mit den von der Monopolsverwaltung bergeftellten Pulverforten vornehmen. Über den Umfat3 diefes bedeutenden Produktions- und Handelszweiges waren ziffernmäßige Daten nicht zu erlangen. Der Handel mit Jagdausrüftungsgegenftänden. Unter den Hilfsmitteln des Jagdbetriebes find nebft den Jagdwaffen und der Jagdmunition die zahlreichen und verfebiedenartigen Ausr üftungsgegenftände anzuführen, deren fich Berufsjäger und Jagdliebbaber bei der Ausübung des edlen Weidwerks bedienen. Hier öffnet fieb der Betriebfamkeit des Gewerbes und Handels ein weites Feld. Vor allem kommt dabei die Bekleidungsinduftrie in Betracht. Die von der fonft üblichen Kleidung abweichende Tracht — der grüne federngefcbmückte Hut, dazu im Hochgebirge Lodenjoppe und Wettermantel, im Flacblande das Sbooting-dreß — fie find nicht nur ein bocbgefcbät}tes Attribut, das den Jäger als folcben äußerlich kennzeichnet, fondern ein durch den nötigen Scbutj gegen Wind und Wetter in der zumeift der rauben Jahreszeit zufallenden Jagdfaifon bedingtes Erfordernis, bei deffen Befcbaffung allerdings Landesfitte und Mode mitfpreeben. Nebft dem Jagdanzuge bedarf der Jäger aber auch nocb anderer Ausrüftungsftücke, wie des unentbehrlichen Ruckfacks, der Bebältniffe für Munition und Proviant, derben Schuhwerks und feftanfcbließender Filz- oder Ledergamafcben, des Fernglafes und fonftiger Bebelfe, deren Anfertigung eine Reibe vonSpezial17* 131