Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - III. ABSCHNITT. Die Jagd in ihren Beziehungen zu Handel und Verkehr, zu Industrie, Kunst und Gewerbe
c^li^ Der Handel und der Verkehr in ihren Beziehungen zur Jagd. 34 Kilogramm. Befremdlicberweife mangelt in einzelnen Gebieten unterer Hochgebirge der ländlichen Bevölkerung das Verftändnis für die Vorzüge diefes billigen und zuträglichen Nahrungsmittels, woran wohl das mangelnde Gefcbick der bäuerlichen Küche in bezug auf die Zubereitung die Schuld trägt, fo daß dort die Verwertung des erlegten Gemswildes mit Schwierigkeiten verbunden ift. Allerdings gilt dies nur für entlegene Gebirgsreviere, denen der Eifenbabntransport nicht zur Verfügung ftebt. Denn diefer bietet das Mittel, Märkte zu erreichen, auf denen auch das Gemswildbret fieberen Abfat) findet. Der zweite wichtige Dienft, den die Jagd für die Ernährung der Bevölkerung leiftet, ift ihre Mitwirkung zur Approvifionierung der abfeits der Jagdreviere gelegenen größeren Orte mit vorwiegend ftädtifeber Bewohnerfebaft. fluch hier verdanken wir der Statiftik wertvolle Fingerzeige über den Umfang, in welchem der Konfum von Wildbret und Wildgeflügel in einer Reibe von Städten des In- und Auslandes ftattfindet. Die Genauigkeit diefer Angaben ift durch den Umftand verbürgt, daß die bezeichneten Nahrungsmittel beim Eintritte in das Stadtgebiet eine ftaatlicbe oder ftädtifche Konfumabgabe — in Wien der Linienverzebrungsfteuer nebft einem für Rechnung der Gemeinde eingehobenen Zufcblage — zu entrichten haben, ihre Einfuhr demnach einer Kontrolle unterliegt, welche Art und Menge der einzelnen Konfumartikel diefer Gruppe genau verzeichnet. Die im Anbange nachfolgende Tabelle I gibt den Verbrauch von Wildbret und Wildgeflügel in fämtlicben zwanzig Gemeindebezirken der Reicbsbauptftadt Wien während des Jahrfünfts 1905 bis 1909. Hiernach bat innerhalb diefer Zeit die auf Nettogewicht umgerechnete Menge des Jahresverbrauches an Wildfleifch zwifeben 1,208.816 Kilogramm (1907) und 1,665.925 Kilogramm (1905) gefebwankt und in den beiden letjten Jahren 1908 und 1909 wieder anzeigend die Höbe von 1,290.977 Kilogramm und 1,230.976 Kilogrammerreicht. An Wildgeflügel ergibt fleh für die Gegenftands jähre die abnehmende Zahlenreihe von 126.468, 129.721,109.026, 106.709, 95.158 Kilogramm. Im ganzen zeigen ficb die kleinfte Gewicbtsziffer Pavillon »Wildverwertung« von 1,317.842 Kilogramm (1907) und die böcbfte von 1,792.393 Kilogramm (1905), fowie die Ziffern der Scblußjabre 1908 und 1909 mit 1,397.686 und 1,326.134 Kilogramm. Eine weiters nachfolgende Zufammenftellung Tabelle II zeigt die Jahresfummen der für Wildbret und Wildgeflügel in Wien entrichteten Linienverzebrungsfteuer für die Jahre 1905 bis 1909. Die jährlichen Steuererträge ich wanken nach Maßgabe des Verbrauches. Die böcbfte Ziffer entfällt auf das Jahr 1906 mit 408.154 Kronen, die niedrigfte auf das Jahr 1909 mit 300.999 Kronen. Die Gemeinde Wien ift an der Jabresfumme der Linienverzebrungsfteuer mit einem Zufcblage von 30 Prozent zu der Staatsfteuer beteiligt. Die namhafte Summe der Steuereingänge zeigt gleich der Menge des jährlichen Wildbret- und Wildgeflügelkonfums die anfebnlicbe Bedeutung, welche die Jagd als Nabrungsmittelproduktion für die Approvifionierung von Wien befitjt. Wien nimmt in bezug auf den Wildkonfum unter den mitteleuropäifcben Städten, für welche ftatiftifebe Daten vorliegen, eine der erften Stellen ein. Nach den abfoluten Bruttoziffern ftebt Wien mit dem für die Jahre 1898 bis 1908 entfallenden Durcbfcbnittsgewicbte des Wildkonfums von jährlich 2,582.986 Kilogramm am erften Platte. Nur Paris mit 2,158.011 Kilogramm und Berlin mit 1,842.667 Kilogramm kommen der Wiener Konfumziffer nahe. Relativ nach der Bevölkerungszahl aufgeteilt, zeigen die Städte Dresden, Wien, München mit 193, l-46, 1'30 Kilogramm Wildverbrauch pro Einwohner (1905) die böcbften Ziffern. Berlin hatte 0"93 Kilogramm, Budapeft und Paris je 0*72 Kilogramm, Rom nur 0-12 Kilogramm relativen Konfum. Der Unterfcbied der hier den: »Beiträge zur Statiftik der Jagd« von Dr. Foreber entnommenen, gegenüber den im Texte nach den Ausweifen des ftatiftifcben Departements des Wiener Magiftrates gegebenen Ziffern erklärt ficb aus der Verfcbiedenbeit der Umrecbnungszablen (Gefamtgewicbt oder Fleifcbgewicbt, letzteres febr niedrig eingefcbätjt). Im engften Zufammenbange mit der Verallgemeinerung des Wildbretkonfums flehen die Wildbretpreife. Die am Scbluffe folgende Tabelle III gibt für das Jahrfünft 1905 bis 1909 ebenfowobl unter Zahl 1 die durcbfcbnittlicben Preife der verfchiedenen Arten von Wildbret und Wildgeflügel in der Wiener Großmarktballe als auch unter Zahl 2 die im Kleinverkaufe zu Wien notierten Durchfchnittspreife der einzelnen Wildgattungen. Wie in den letjten Jahren bezüglich der Lebensmittel überhaupt, insbefondere aller Fleifcb128