Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - III. ABSCHNITT. Die Jagd in ihren Beziehungen zu Handel und Verkehr, zu Industrie, Kunst und Gewerbe

Der Handel und der Verkehr in ihren Beziehungen zur Jagd. der Jagdberechtigung um anfebnlicbe Geldfummen, oft im Wege der Verfteigerung, an einbeimifcbe oder auswärtige Jagdluftige vergeben. Je nacb der Bequemlichkeit der Revierverbältniffe und der Güte des Wildes werden für den Abfcbuß eines Kapitalbirfchen beute 1000 bis 3000 Kronen, für jenen von Gemfen 100 bis 200 Kronen, für jenen von Auerbäbnen 50 bis 150 Kronen gezahlt. Sehr häufig find es deutfcbe, nicht leiten britifcbe Reichs­angebörige, die einzeln oder zu Konfortien vereinigt, in Öfterreich und Ungarn Jagdreviere an ficb bringen. Im Jnlande wie im Auslände, in den großen Hauptftädten wie auch in fo manchen unferer Gebirgsorte befteben eigene Agenturen, die in der Vermittlung von Pacbtrevieren und Abfchußbewilligungen ihren Erwerb fuchen. Anbote und Nachfragen folcher Art werden in den Tagesblättern verlautbart; fie füllen die Inferatenfpalten der Jagdzeitungen und nehmen die Mühewaltung der Sekretariate jagdlicher Vereine vielfältig in Anfprucb. So ift die Jagd und das Recht zu ihrer Ausübung felbft ein Gegenftand des Verkehrs und Handels geworden, der ficb nicht mehr auf die Landesgrenzen befcbränkt und foweit es ficb um ausländifcbe Jagdliebbaber bandelt, zu einer der beimifcben Jägerei minder erwünfcbten Verfcbärfung des Mitbewerbes beiträgt. Mit Recht wird beklagt, daß diefe Art der Ausnutjung der Jagd, zumal durch ausländifcbe Revier- oder Abfcbußpäcbter, die ficb im Jagdgebiete nur ganz vorübergebend aufhalten und kein bleibendes Intereffe verfolgen, mit einer pfleglichen Jagdbebandlung unvereinbar fei und die Jagdpacbtpreife zum Nachteil der beimifcben Jagdfreunde zu einer für diefe bald unerfcbwinglicben Höbe hinauftreibe. Man folle daran denken, dem Überhandnehmen der reich­bemittelten Ausländer, die zu Jagdzwecken nach Öfterreich kommen, durch geeignete Maßnahmen entgegen­zuwirken. Es wurde fcbon vorgefcblagen, die von den autonomen Landesverwaltungen eingebobene Gebühr für Jagdkarten an Ausländer namhaft zu erhöben, wie dies in anderen Staaten bereits gebandhabt wird. Derartige Anregungen verdienen Beachtung, zumal fie nur der Reziprozität entfprecben, wenn es auch zweifelhaft bleibt, ob fie in der Hauptfacbe den gewünfchten Erfolg verbürgen. Anderfeits muß doch auch zugegeben werden, daß die Verwertung der inländifcben Jagdreviere mit ihrem Wildreicbtum und ihren unvergleichlichen Naturreizen ein volkswirtfchaftlicb nicht zu unterfcbät^endes Motiv bildet, um bemittelte Fremde nach Öfterreich-Ungarn zu bringen und ftattlicbe Geldfummen ins Land zu ziehen, welche eine Werterböbung des jagdberechtigten Gutsbefitjes zur Folge haben. Die Einnahmen aus der Jagdver­pacbtung find in Öfterreich bei dem Umftande, als hier die nahezu ausnahmslos zur Verpachtung gelan­genden Gemeinde- und Genoffenfcbaftsjagden fowobl der Zahl als auch dem Gebietsumfange nach gegen die Eigenjagden überwiegen, ganz beträchtliche. Sie bezifferten ficb nach den hierüber vorliegenden ftatiftifcben Angaben von Sektionschef Dr. L. Di mit} und Hoffekretär Dr. Hugo Förch er für ganz Öfterreich (mit Aus­nahme Dalmatiens, wo die Jagd frei ift) im Jahre 1908 auf nahezu 5 Millionen Kronen (gegen 1900 3"6 Millionen Kronen, 1905 4'1 Millionen Kronen). Gleichwie in den Summen der Pacbterlöfe zeigt ficb auch in den durcb­fchnittlicben Einheitsfätjen des Pachtfcbillings eine ftetige Steigerung. Sie ergibt für die gefamten hier in Betracht kommenden öfterreicbifcben Ländergruppen (Donauländer, Alpenländer, Nordweft- und Nordoftländer, Küften­land) pro Hektar in den Jahren 1900, 1905, 1908 die Ziffern von 0'19, 0-22, 0'26 Kronen, mithin im ganzen eine Erhöhung um rund 37 Prozent. Für die Donauländer, wo die böcbften Jagdpacbtzinfe bezahlt werden, ift der Einbeitsfat* des Pachtfcbillings im Jahre 1908 mit durchschnittlich 0'60 Kronen pro Hektar ermittelt. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß die aus vorftebenden ftatiftifcben Daten erficbtlicbe Ertragsfteigerung der Jagdverpachtungen und die dabei mitwirkende Erweiterung des Kreifes der Jagdfreunde und Jagdliebbaber, für welche die Zunahme der Anzahl der ausgegebenen Jagdkarten (1900: 81.091, 1907: 101.413 = -f 25 Prozent für fämtlicbe Ländergruppen) und des bierfür erzielten Erlöfes (1900: 504.627, 1907: 599.735 Kronen = + 19 Pro­zent) Anhaltspunkte bietet, mit der durch die Ausdehnung des Babnnetjes im legten Jahrzehnt fortfcbreitenden Erleichterung des Verkehrs im Zufammenbange fteben. Sind doch in eben diefem Zeiträume dem öfter­reicbifcben Eifenbabnnetje zahlreiche neue Linien, darunter die neuen Alpen- und Karpatbenbahnen, welche in das Innere der Tauern, Karawanken und Julifcben Alpen, dann der Beskiden und Oftkarpatben eindringen, wie auch eine große Anzahl von Lokalbahnen zugewacbfen, die ficb auf fämtlicbe in Rede ftebende Länder­gruppen verteilen und ausgedehnte Gebiete derfelben auch für jagdliche Verkebrszwecke erfchloffen haben. Für Deutfcbland wird die Zahl der gebührenpflichtigen Jagdfcheine mit 540.000, der Erlös mit jährlich 6 Millionen Mark beziffert. Der gefamte jährliche Wertumfat} durch die Jagd einfcbließlich des mit 30 Millionen Mark angenommenen Wertes der Jagdbeute wird für Deutfcbland auf 164"7 bis 177*7 Millionen Mark gei'cbätjt. Für die öfterreicbifcben Reichsratsländer ergibt die fcbätjungsweiie, in den einfcblägigen Kapiteln des II. Teiles, I. Abfchnittes unferes Gedenkbuches enthaltene Berechnung den Jabreswert der Jagdbeute mit rund 12 Millionen Kronen, den gefamten jährlichen Wertumfat) durch die Jagd mit 80 Millionen Kronen. Der Verkehr von lebendem Wild. Als ausfcblaggebendes Hilfsmittel fördert der Verkehr die Verwertung des Wildes zunäcbft im lebenden Zuftande. Die beutigen Verkehrsmittel, vor allem die Eifenbabnen, ermöglichen den Transport von lebendem Wild von und nach entfernten Gebieten zum Zwecke der Einbürgerung fremder oder zur Blutauffrifcbung einbeimifcber Wildgattungen im weiteften Umfange. Beifpiele bieten die Verpflanzung von Mufflons aus Sardinien und Korfika über deutfcbe Tiergärten nach böbmifcben und ungarifcben Jagdgebegen, des Stein­wildes aus Savoyen nach Salzburg und Krain; des amerikanifcben Bifons nach der Herrfcbaft Javorina des 16* 123

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