Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - II. ABSCHNITT. Die Jagd und deren Betrieb
Das Pferd und die Jagd. Als am 27. September die in kleidfamer Tracbt ficb vorteilenden ungarifcben Cfikofe die Ausftellung mit Peitfcbengeknall abfcbnalzten, da war ein gewiffes Gefühl des Bedauerns darüber rege geworden, daß mit diefem Tage die temporären Pferdeausftellungen gefcbloffen wurden, hatte man es doch febon nahezu gewöhnt, nachmittags der Pferdeausftellung Befucb abzuftatten. Mit bober Befriedigung können die leitenden Kreife, die Veranftalter diefer temporären Aufteilungen, auf das Geleiftete zurückblicken, denn es ift außer Zweifel, daß durcb die Pferdeausftellungen ein großer und voller fachlicher Erfolg erzielt wurde. Die reichhaltige Befcbickung der feebs Abteilungen, die hohe Qualität des Gebotenen, das ficb, wie gefagt, nahezu ausfcbließlicb aus Produkten der beimifeben Pferdezucht zufammenfetjte, haben deutlich gezeigt, daß der alte Ruf, welcher den in Öfterreicb-Ungarn gezogenen Pferden anhaftet, tatfächlicb wirklich nocb gerechtfertigt ift und daß wir über einen Stand von Pferden verfügen, um welchen uns fo mancher mit Fug und Recht beneiden kann. Daß diefer große Erfolg erzielt und diefe fachliche Leiftung überhaupt vollbracht werden konnten, ift nicbt allein das Verdienft der Ausftellungsleitung und aller bereitwillig mit derfelben kooperierenden Mitarbeiter, fondern es waren aucb hohe Gönner und Freunde, welche ficb der guten Sache voll und ganz zur Verfügung ftellten und die mit dazu beigetragen haben, das volle Gelingen möglich zu machen. Unfer k. k. Ackerbauminifterium bat nicbt bloß fachlich das Unternehmen unterftüt}t, fondern in fo mancher Richtung materiell zur Föderung derfelben eingegriffen. Durcb die individuelle Mitarbeiterfcbaft in Perfon des damaligen Leiters des Ackerbauminifteriums Sr. Exzellenz Jofef Ritter v. Pop, der wiederholt in den Betrieb der Ausftellung eingegriffen bat, aber aucb durcb dieTätigkeit feiner weiteren Funktionäre, wurde nacb jeder Richtung bin zum Gelingen des großen Unternehmens beigetragen. Die freudige Anerkennung, welche in der großen Sitjung des Ausftellungskomitees der Erklärung des ungarifcben Ackerbaumini fteri ums, ficb an der AusParforcejagd von Hamilton. Pavillon des Fürften Schwarzenberg. ftellung zu beteiligen, folgte, war eine verdiente, denn die von un= garifeber Seite veranftaltete Pferdeausftellung war mit ein Höbepunkt der durchgeführten Veranftaltungen. Unfer Kriegsminifterium, unfer Minifterium für Landesverteidigung fowie die bosnifebberzegowinifebe Landesregierung feien als tatkräftige Mitarbeiter, alsFörderer unferer guten Sache nacb jeder Richtung bin dankend erwähnt. Und fo find wir, indem allen Mitarbeitern, allen Intereffenten ein freundlicher Scbeidegruß zugerufen wird, daran, den Rückblick zu fcbließen, der uns an die fo woblgelungenen Veranftaltungen bindet, und es obliegt uns jene Schlußfolgerung zu ziehen, die aus der fo hochwichtigen Veranftaltung für die Zukunft von Bedeutung find. Auch der größte Freund des Pferdewefens wird es ficb beute kaum mehr verhehlen können, daß in der Zukunft, in fo mancher Richtung ein gewiffer Wandel eintreten dürfte, zumal das Gebiet der Technik ficb über jene Verwendungsfpbären ausbreitet, welche früher ausfcbließlicb und allein dem Pferde und deffen Leiftungsfäbigkeit vorbehalten waren. Es wird ficb niemand der Überzeugung verfcbließen können, daß das ficb ftets ausdehnende Eifenbabnnetj, daß das Kraftfuhrwerk, daß fogar jet)t die Aeronautik und die Aviatik ein ernftes Wort in der Frage des allgemeinen Verkehres mitzufpreeben haben. Und da gilt es die Verbältniffe zu überleben, da gilt es in die Zukunft zu blicken, da gilt es klarzulegen und zu beftimmen. Schon vor 60 Jahren, als das Eifenbabnwefen ficb mehr und mehr zu entwickeln begann, wurde dem Pferde von der Allgemeinheit das Todesurteil gefprochen und es hieß nur zu oft, daß mit dem verfebwindenden Verkehr auf der Landftraße, mit der Überweifung an das Dampfroß, das Pferd in abfebbarer Zeit der Vergangenheit wird anzugehören haben; und wie wenig wahr haben, wie ficb nunmehr gezeigt bat, gerade diefe Propheten damals prophezeit! Nach einem halben Jahrhundert der Entwicklung des Eifenbabnwefens bat der Pferdebeftand aller Länder nicbt nur nicbt abgenommen, er bat ficb im Gegenteile vermehrt, ja ficb an manchen Orten fogar verdoppelt und ftaunend ftebt der Befcbauer vor diefer im Laufe der Zeit ficb vollzogenen Tatfacbe. Doch klar und einfach ift die Löfung des fo fraglich erfebeinenden Rätfels. Nicht bloß die Zunahme der Dichte der Bevölkerung, fondern ganz befonders die Entwicklung eines Verkehres, der in früheren Zeiten ungekannt war, haben es mit ficb gebracht, daß das Pferd einer weitergebenden, früher ungeahnten Ausnut}ung zugeführt wurde. Und fo wird und fo muß es aucb in Zukunft fein. Den leitenden Kreifen ift es vorbehalten, aus den gefammelten Erfahrungen Scblüffe zu ziehen, in die Zukunft zu blicken und es fo einzurichten, daß das 116